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VIS Arbitration Moot

Team Tübingen erneut erfolgreich

Das Tübinger Team war auch dieses Jahr beim Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot erfolgreich: Neben dem Einzug in die Runde der besten 32 Teams erhielt das Team unserer Fakultät eine Auszeichnung für den Beklagtenschriftsatz.

 

Der Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot ist mit mittlerweile über 360 teilnehmenden Universitäten einer der größten und zugleich prestigeträchtigsten studentischen Wettbewerbe weltweit. Im Rahmen dieses Wettbewerbs tauschten sechs Studenten der Fakultät für den Zeitraum von sechs Monaten ihren studentischen Alltag mit der Rolle eines Rechtsanwalts, um ihren Mandaten in einem simulierten internationalen Schiedsverfahren zu vertreten.

 

Der diesjährige Sachverhalt

In sachlicher Hinsicht befasst sich der Vis Moot mit Schiedsverfahrens-und UN-Kaufrecht (CISG). Der diesjährige Sachverhalt umfasste 55 Seiten, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

 

Die Klägerin Delicatesy Whole Foods Sp und die Beklagte Comestibles Finos Ltd schlossen in Folge eines Ausschreibungsverfahrens im Jahr 2014 einen Vertrag über die Produktion und die Lieferung von Schokoladenkuchen. Im Rahmen dieses Vertragsschlusses waren sich die Parteien darüber einig, dass eine nachhaltige und ethisch vertretbare Produktion ein wichtiger Bestandteil des Vertrages sei.

Im Januar 2017 fand die Beklagte heraus, dass in Ruritania, dem Sitz des Zulieferers der Klägerin, allem Anschein nach geltende Richtlinien zur ethischen Produktion („Global Compact Guidelines“) verletzt wurden und stoppte daraufhin die Zahlungen an die Klägerin. Als sich der Skandal im Februar 2017  bestätigte, kündigte die Klägerin den Vertrag mit ihrem Zulieferer in Ruritania und bot eine Preisminderung an. Die Beklagte erklärte ungeachtet dessen jedoch die Kündigung des Vertrages mit der Klägerin. In diesem Zusammenhang machte die Beklagte geltend, Schokoladenkuchen erhalten zu haben, die nicht der im Vertrag bestimmten Qualität entsprochen haben. Die Klägerin hingegen verlangte die Zahlung des Kaufpreises, da aus ihrer Sicht die vereinbarte Produktqualität gewahrt worden sei. Diese unterschiedlichen Auffassungen rühren daher, dass die Parteien davon ausgingen, dass jeweils ihre eigenen allgemeinen Geschäftsbedingungen Bestandteil des Vertrages geworden seien. Daneben war zwischen den Parteien strittig, ob im Falle, dass die AGB der Beklagten Geltung beanspruchen, ein spezifisches Ergebnis oder lediglich das „Bestmögliche“ geschuldet war. Daneben stellte die Beklagte im September 2017 einen Befangenheitsantrag gegen den von der Klägerin nominierten Schiedsrichter.  Der Schiedsrichter soll ein finanzielles Interesse am Ausgang des Falls haben.

 

Die schriftliche Phase

Im Oktober 2017 begannen die Studenten zunächst mit der schriftlichen Phase. Im Rahmen dessen mussten sie einen Schriftsatz als Vertreter des Klägers verfassen. Dieser wurde dann im Dezember an andere Universitäten zur Beantwortung geschickt. Nach dem Verfassen des Klägerschriftsatzes wurden die Seiten gewechselt. Das Team unserer Fakultät hatte hier die Aufgabe, auf die Schriftsätze der Universitäten aus Sri Lanka und Sarajevo zu antworten.

Für den Schriftsatz mit dem das Team auf den Klägerschriftsatz der Universität aus Sri Lanka antwortete, erhielt das Team unserer Fakultät in Hong Kong eine „Honorable Mention for Best Memorandum on behalf of Respondent

 

Die mündliche Phase

Im Anschluss an die Abgabe des Respondent Schriftsatzes folgte die mündliche Phase. Hierbei wurden die Studierenden darauf vorbereitet, die Argumente möglichst überzeugend vor einem Schiedsgericht in Hong Kong und Wien vorzutragen. Wie schon in den vergangenen Jahren nahm auch dieses Jahr die Professionalität des Wettbewerbs wieder zu. Im Rahmen von Vorbereitungsveranstaltungen bei Kanzleien reiste das Team in die Städte Stuttgart, Frankfurt, Köln und Düsseldorf. Zudem nahm das Team traditionell an den „Pre-Moots“ in München und Hannover teil. In Hannover nahmen rund 30 Teams aus 13 Ländern teil. Ohne diese Vorbereitung, bei denen das Team hinsichtlich Rethorik, Argumentation und nicht zuletzt Teamwork geschult wurden, wäre das Team bedingt durch den immer größer werdenden Wettbewerb nicht mehr wettbewerbsfähig. An dieser Stelle soll daher unseren Sponsoren gedankt werden, ohne die diese Vorbereitung überhaupt nicht möglich gewesen wäre.

Am 09. März reiste das Team dann für die mündlichen Verhandlungen nach Hong Kong. Hier nahmen dieses Jahr rund 125 Teams aus 32 Nationen, ca. 300 Schiedsrichter und 1200 Studierende teil. Unser Team traf hierbei in der Vorrunde, den sog. „General Rounds“ auf die Teams der Gold University aus Kalifornien, Dalian Maritime University aus China, die Universität Helsinki und die APIIT University Sri Lanka, auf deren Schriftsatz das Team bereits geantwortet hatte. Seit diesem Jahr gilt auch in Hong Kong ein neues Punktesystem, bei dem nicht wie zuvor maximal 50 Punkte, sondern nun maximal 100 Punkte zu vergeben waren. Im Anschluss an die Vorrunde wurde auf der sogenannten Assembly verkündet, welche Teams es in die Runde der besten 32 schafften, bei denen dann das Knock-Out System Anwendung fand. Dank hervorragender Leistungen schaffte es das Team unserer Fakultät in diesem Jahr zum zweiten Mal seit der erstmaligen Teilnahme vor mehr als 14 Jahren in die Knock-Out-Rounds! Zum ersten Mal durfte das Team unserer Fakultät auch tatsächlich mündlich vortragen, da dies dem Team beim ersten Einzug in die Knock-Out-Rounds infolge eines 3-Way-Ties verwehrt blieb. Leider entschied sich das Schiedsgericht in der Runde der besten 32 für das Team aus Sri Lanka.

Am 22. März reiste unser Team dann zu den mündlichen Verhandlungen nach Wien. Dort traf es auf die Federal University of Rio de Janeiro, Radboud Univerity Nijmegen, University of Maribor und die University of Sarajevo, deren Schriftsatz das Team beantwortet hatte. Leider gelang es dem Team nicht, in die Runde der besten 64 einzuziehen. Laut Prof. Kröll, dem Veranstalter des Vis Moot, gab es allerdings teilweise Punktunterschiede von bis zu 30 Punkten innerhalb der einzelnen Tribunale, sodass die Punktvergabe quasi einer Lotterie glich und stark abhängig vom einzelnen Schiedsrichter war. Immerhin konnte eine unserer Teilnehmerinnen, Rosalia Sauerborn, eine Honorable Mention für individuelle Leistungen erreichen.

Mit dem Einzug in die besten 32 in Hong Kong und der Honorable Mention für den Respondent Schriftsatz konnte das diesjährige Team jedoch an die Erfolge der letzten Jahre anknüpfen!

Text: Henriette Oertel

 

Werde auch Du ein Teil des Team Tübingen! Informationen zur Teilnahme unter:
http://www.jura.uni-tuebingen.de/vismootcourt