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Studienbegleitendes Programm "Recht - Ethik - Wirtschaft"

Recht-Ethik-Wirtschaft: Tübinger Studierende in Brüssel

Zwischen Recht, Ethik und Wirtschaft liegen Spannungsfelder, die auch die europapolitische Dynamik in Brüssel bestimmen. Dies gilt nicht nur in Zeiten der Brexit-Verhandlungen, sondern auch mit Blick auf die Entwicklung unserer Arbeitswelt im Digitalisierungszeitalter oder die Ausrichtung der Finanzmärkte auf Ziele der Nachhaltigkeit. Der Zertifikatsstudiengang „Recht-Ethik-Wirtschaft“ unternahm daher vom 17. – 19. Oktober unter Leitung von Professor Stefan Thomas gemeinsam mit den Assistenten Nils Model und Henrik Nolte seine erste Studienausfahrt mit 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in die „Hauptstadt Europas“.

Erste Station war das Europäische Parlament. Ein Vortrag mit Führung gab Einblick in Themen wie den Brexit und die Neukonstituierung der europäischen Institutionen.

Bei der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik erhielten die Teilnehmenden mit einem Vortrag zu „Sustainable Finance“ Einblick in ein herausforderndes Projekt zur Neuausrichtung der Finanzmärkte. Mit der Referentin, Frau Arnoldi, wurde diskutiert, inwiefern unser Finanzsystem auf europäischer Ebene nachhaltig und ethisch vertretbar ausgestaltet werden kann. Dabei wurde deutlich, wie herausfordernd es ist, Ziele wie ökonomische Effizienz, Nachhaltigkeit und politische Anliegen einzelner Mitgliedstaaten in Einklang zu bringen.

Am nächsten Morgen führte das Exkursionsprogramm die Teilnehmenden zur Vertretung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Der Leiter der Vertretung, Dr. Heiko Willems, hielt einen Vortrag zum Thema „Lobbying und Interessenvertretung im Gefüge der Europäischen Institutionen - Segen oder Fluch für die Demokratie?“. Er erläuterte die Aufgaben des BDI als Interessenvertreter der deutschen Industrie. Es wurde im Gespräch klar, dass es für Industrie und Europapolitik gleichermaßen wichtig ist, Austausch zu pflegen, dabei aber die Unabhängigkeit der Akteure zu wahren.

Nach einem kurzen Besuch des Hauses der Europäischen Geschichte war die Gruppe in die Landesvertretung von Baden-Württemberg eingeladen. Dort referierten der Leiter des Büsseler Büros, Stefan Solle, und seine Kollegin Sabina Dross vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall zum Thema „Arbeitswelt und Industrie 4.0“. Welchen Wandel bringt die Digitalisierung für die Sicherheit und Zukunft von Arbeitsplätzen in Europa? Wie können Ausbildung und Fortbildung auf technologische Neuerungen reagieren? Hier gaben die Referenten Einblicke in die aktuellen Diskussionen in Brüssel.

Im Anschluss referierte Frau Dr. Wolf zu den Aufgaben und der Arbeitsweise der Landesvertretung Baden-Württemberg. Das Land hat erheblichen Anteil an der Diskussion über die Gestaltung europapolitischer Vorhaben. Europa ist vielschichtig und auch jenseits der Regierungsspitzen der Mitgliedstaaten vernetzt und dynamisch.

Den Abschluss des fachlichen Teils der Exkursion bildete ein Besuch der internationalen Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell. Europarecht ist dort eine gelebte Materie, nicht lediglich Stoff aus Büchern. Die Rechtsberatung in Brüssel stellt vor viele Schwierigkeiten, insbesondere das Zusammentreffen unterschiedlicher Rechtskulturen und natürlich Sprachen. Für junge wie für erfahrene Anwälte ist dies Reiz und Herausforderung. In persönlicher Runde konnten sich die Teilnehmenden des Zertifikatsstudiums mit Anwälten und Praktikanten der Kanzlei austauschen. Es zeigte sich, dass es nicht „die“ typische Juristenbiographie gibt, die nach Brüssel führt. Entscheidend sind Neugier und die Bereitschaft, sich auf die dynamische Welt Europas einzulassen.

Am Morgen vor der Abfahrt führte Henrik Nolte, der einige Zeit familiär in Brüssel verbracht hat und daher unser „Guide“ war, die Teilnehmergruppe durch die Innenstadt und zeigte unter anderem den Justizpalast, die Notre Dame du Sablon, und nicht zuletzt den Grand Place sowie die Galleries Saint-Hubert.

Die gemeinsamen Tage in Brüssel haben die Zertifikatstudierenden zusammengebracht, den Bezug zu Europa gestärkt, einen Einblick in die Problemkreise gegeben, die die EU in rechtlicher, wirtschaftlicher und ethischer Dimension derzeit beschäftigen. Und die Fahrt hat das Leben und die Kultur in Brüssel vermittelt. Es war ein gelungener Auftakt für weitere Veranstaltungen dieser Art. Das Ziel soll sein, die Inhalte von Recht Ethik Wirtschaft „erlebbar“ zu machen.