Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sie sind hier: Startseite / Professoren & Dozenten / Prof. Dr. Reichold / Arbeitsrechtstag / Arbeitsrechtstag 2014
Prof. Dr. Reichold

9. Tübinger Arbeitsrechtstag

 

Der

9. Tübinger Arbeitsrechtstag

beschäftigt sich am

3. April 2014
in der Neuen Aula (Audimax) der Universität Tübingen


mit dem Thema

Betriebsräte – Führungskräfte oder Oppositionsführer?

 

„Paradoxe Führungskräfte“ werden Betriebsräte von modernen Sozialforschern genannt. Sie bemühen sich einerseits um effiziente Interessenvertretung, müssen andererseits befürchten, dass heterogene Belegschaften ihnen keinen Rückhalt mehr bieten. Klare Fronten zwischen Kapital und Arbeit gibt es nicht mehr, klare Solidaritäten ebenfalls nicht. Die Segmentierung der Belegschaften in Stamm- und Randbelegschaften, in Voll- und Teilzeitkräfte, in hoch und niedrig Qualifizierte, in Eigen- und Fremdbeschäftigte macht eine einheitliche Interessenvertretung nahezu unmöglich. Was soll der Betriebsrat machen, wenn z.B. die einen ohne Arbeitszeitkontrolle kommen und gehen wollen, die anderen dagegen auf der Stechuhr bestehen? Was soll er tun, wenn der Nachtschichtleister trotz gesicherter arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse nicht auf die ergonomisch vorzugswürdige Wechselschicht übergehen will, weil er die Nachtzuschläge behalten möchte? Der Betriebsrat mutiert so leicht vom beliebten Schutzmann zur unbeliebten Betriebspolizei, zur Führungskraft ohne rechten Rückhalt.

 

Der 9. Tübinger Arbeitsrechtstag will die neuen Herausforderungen für Betriebsräte im 21. Jahrhundert ausloten. Zunächst wird LAG-Präsident Dr. Eberhard Natter der gestiegenen Personalverantwortung von Betriebsräten nachgehen, die nicht nur Leiharbeitnehmer über § 99 BetrVG integrieren, sondern auch aktuellen Gesetzesvorschlägen zufolge weitere Fremdbeschäftigung im Betrieb unter Kontrolle halten sollen. Prof. Martin Franzen übernimmt es, die Wandlungen des Betriebsratsamtes im 21. Jh. zu reflektieren und dabei u.a. die Haftungsrisiken bei Ausübung dieses Ehrenamts zu untersuchen. Dr. Andreas Chmel wird sich mit der Vertragsgestaltungskompetenz des Betriebsrats auseinandersetzen und fragen, ob er z.B. per Betriebsvereinbarung die Arbeitsbedingungen des Arbeitgebers sozialverträglich beeinflussen kann. Schließlich schildert Martin Röll seine praktischen Erfahrungen mit Selbstorganisation und Qualifizierung des Betriebsrats und zeigt die Rahmenbedingungen bei der Interessenvertretung in transnationalen Unternehmungen auf dem Weg zur „Industrie 4.0“ auf.

 

Der Tübinger Arbeitsrechtstag nimmt aktuelle und streitige Themen des Arbeitsrechts zum Anlass, einen qualifizierten Dialog zwischen universitärer Forschung und der juristischen Praxis des Arbeits- und Sozialrechts zu ermöglichen und möchte damit den Teilnehmern aus dem Wirtschafts- und Rechtsleben neue Perspektiven eröffnen. Die Auswahl der Referenten gewährleistet die Vermittlung des aktuellen Stands der Rechtsdogmatik und Rechtsprechung zum Thema. Gleichzeitig soll die Veranstaltung die Verbindung zwischen der Universität Tübingen und den im mittleren Neckarraum tätigen Arbeitsgerichten, Verbänden und Unternehmen stärken.

 

Der Veranstaltungsbericht ist erschienen in NZA 14/2014, S. XXII.


 

Programm

Anmeldung

Bilder
Tagungsmaterialien
Bericht
Frühere Veranstaltungen