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Examensfeier der Juristischen Fakultät

In der gemeinsam mit dem Landesjustizprüfungsamt veranstalteten Examensfeier erhielten die Absolventen der Ersten juristischen Staatsprüfung am 6. Februar 2013 ihre Zeugnisse. Zugleich ehrte die Fakultät ihre silbernen und goldenen Promotionsjubilare.


Nach einer musikalischen Einleitung durch das Klezmer-Ensemble der Musikschule Tübingen (Leitung: Rudolf Mauz) begrüßte der Dekan Prof. Dr. Jörg Kinzig die frisch Examinierten, die Promotionsjubilare und alle Verwandten und Freunde.

"Keine Kuschelnoten"

Kinzig wies auf eine Stellungnahme des Wissenschaftsrats hin, wonach an den Universitäten zu gute Noten vergeben würden. Wenn diese Meldungen über "Kuschelzensuren" in Anbetracht der Examensergebnisse stutzig machen, so völlig zu Recht. Die Aussage des Wissenschaftsrats gelte nicht gleichermaßen für alle Fachbereiche. Während beispielsweise in Biologie 98% der Absolventen ein sehr gut oder gut erreichten, gelänge dies in Jura nur 7%. Noten haben daher nur einen sehr eingeschränkten Aussagegehalt über den Fachbereich hinaus. Es sei festzuhalten, dass das juristische Staatsexamen kein Kinderspiel sei. Dennoch solle man nicht die erreichte Punktzahl zum alleinigen Maßstab für die persönliche Leistung machen. Kinzig machte den Kandidaten Mut, den richtigen beruflichen Weg zu finden, unabhängig davon, welche Punktzahl sie erreicht haben. Er drückte die Hoffnung aus, dass die Kandidaten auch in Zukunft ihrer Fakultät verbunden blieben. Die Absolventen, die vor 25 bzw. 50 Jahren an der juristischen Fakultät promoviert hatten, seien der lebende Beweis dafür, dass das Jura-Studium in Tübingen sich lohne. Sie hätten ihren beruflichen Weg gemacht und wären der Fakultät verbunden geblieben.

Von der Kunst einen Baum zu fällen...

Christine Jacobi, die Präsidentin des Landesjustizprüfungsamts, betonte, dass das Prüfungsamt den Kandidaten Unterstützer, Begleiter und Hilfe auf dem Weg durch das Examen sein wolle. Die frisch Examinierten hätten die wohl bislang schwierigste Aufgabe in ihrem Leben und damit wohl auch eine der schwierigsten Prüfungen in Deutschland, vielleicht sogar weltweit geschafft.

"Wenn ich fünf Stunden Zeit hätte, einen Baum zu fällen, würde ich erst einmal drei Stunden lang die Säge schärfen."

Mit diesem Abraham Lincoln zugeschriebenen Zitat machte Jacobi deutlich, dass der Weg zum juristischen Staatsexamen ein langer und steiniger ist. Es komme insbesondere darauf an, das juristische Handwerkszeug zu erlernen und dabei nicht den Überblick zu verlieren. Jacobi betonte den Beitrag und die Unterstützung, die Professoren und an der Fakultät lehrende Praktiker im Rahmen der Ausbildung leisteten.

Von 206 Kandidaten (davon etwa 60% weiblich) haben 124 die erste juristische Staatsprüfung bestanden. Mit 12,08 Punkten konnte ein Kandidat die Note "gut" erreichten. 9% der Kandidaten erhielten die Note "vollbefriedigend".

"Mehr Licht als Schatten"

Professor Dr. Ulrich Weber, der in Tübingen studiert, promoviert und habilitiert hatte und hier bis zu seiner Emeritierung unter anderem Strafrecht lehrte, warf in seinem Festvortrag ein Blick auf die Ereignisse in den knapp 60 Jahren, in denen er nun die Neue Aula zum Mittelpunkt seines juristischen Lebens habe, und stellte fest, dass es in dieser Zeit mehr Licht als Schatten gegeben habe.
Von den Anfängen seines Studiums konnte er berichten, dass damals zwar weitaus weniger Studierende immatrikuliert waren, die Neue Aula aber dennoch nur beengten Raum geboten habe, da damals noch alle Fakultäten dort angesiedelt waren. Auch habe das Landgericht Tübingen die Räumlichkeiten genutzt. In diesem Zusammenhang verwies Weber auf die Verurteilung eines Raubmörders zum Tode. Dieses in Hörsaal 8 verkündete Urteil führte zur letzten in der Bundesrepublik Deutschland vollstreckten Todesstrafe.

Baulich seien die Verhältnisse in Tübingen besser gewesen als in den durch den Krieg zerstörten Großstädten. Nicht zuletzt dies habe namhafte Koryphäen nach Tübingen gelockt. Weber berichtete, dass das Studium damals sehr viel mehr auf Eigenverantwortung aufgebaut war. Es habe keine Einführungsveranstaltungen, Führungen oder ähnliches für Studienanfänger gegeben. Das Verhältnis zu den Professoren sei äußerst distanziert gewesen. Diese habe man als echte Respektpersonen behandelt. Dennoch hätten sich auch damals Studenten gerne gewisse Scherze erlaubt. Als Reaktion auf oftmals unangekündigt ausgefallene Vorlesungen von Prof. Dr. Walter Erbe habe man scherzhaft gefordert, dem BGB einen weiteren Paragraphen hinzuzufügen, wonach der Erbe nicht für ausgefallene Vorlesungen haftet.

Im Zusammenhang mit der anekdotischen Erzählung über eine Dekanatsmitarbeiterin, die eingehende Post nicht weitergeleitet habe, berichtete Weber von seinem Doktorvater Prof. Dr. Jürgen Baumann geäußerte Bedenken gegenüber einer immer stärker anwachsenden Zentralen Verwaltung. Er drückte seine Freude darüber aus, dass die Versuche der Zentralen Verwaltung, die Räumlichkeiten der Neuen Aula für sich in Anspruch zu nehmen, bisher gescheitert seien und wünschte, dass diese auch weiterhin Heimstatt der Juristischen Fakultät bleiben werde.

Ein echtes Manko der juristischen Ausbildung sei es damals gewesen, dass man nichts über den Nationalsozialismus erfahren habe. Die Professoren hätten ihre Vorlesungen so gehalten, als wäre nichts gewesen. Während es noch menschlich verständlich sei, dass belastete Kollegen nicht namentlich genannt worden wären, so sei es doch sehr bedauerlich, dass die Rolle der Rechtswissenschaft im Dritten Reich nicht beleuchtet wurde.
Als Lichtblick bezeichnete Weber die Berufung von Professor Dr. Barbara Remmert im Jahr 2003, die damit die erste Frau im Kollegium seit 1477 ist. Auch das Engagement der Kollegen der Fakultät nach der Wende 1990 sei hervorzuheben, als diese tatkräftig beim Aufbau rechtsstaatlicher und demokratischer Verhältnisse halfen.

Es sei beachtenswert, wie in Zeiten knapper Mittel kreative Wege gefunden würden, um den Lehr- und Forschungsbetrieb aufrechtzuerhalten. Als besonders gelungenes Beispiel bezeichnete Weber ein Benefizkonzert von Prof. Dr. Michael Ronellenfitsch und seiner Rock 'n' Roll Band zu Gunsten des Juristischen Seminars. Auch sei es sehr erfreulich, dass durch die Wiederbelebung der Juristischen Gesellschaft Tübingen e. V. ein aktiver Förderverein und eine Plattform für die Alumni der Fakultät zur Verfügung stehe.

Aus dem Leben von A, B und C

Die Studierendensprecherin Caprice Doerbeck wünschte den erfolgreichen Absolventen nach ihrer langen Lernzeit alles Gute für den neuen Lebensabschnitt und den Schritt ins Berufsleben. Sie warf den Blick zurück auf den ersten Tag des Studiums und betonte die Vielfältigkeit der Inhalte der juristischen Ausbildung. Sie forderte die Absolventen auf, die sich ihnen bietenden vielfältigen Möglichkeiten zu nutzen, und ihren Weg sowohl zu Gunsten der eigenen Karriere als auch zum Wohl der Gesellschaft voranzugehen. Wichtig sei es dabei, das erworbene Wissen an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Um dies zu verinnerlichen, könne ein Blick zurück auf die ersten Tage in der Neuen Aula nicht schaden.



Im Anschluss erhielten die frisch gebackenen Referendare von Christine Jacobi und Prof. Dr. Jörg Kinzig ihre Zeugnisse überreicht.

Dann wurden die Promotionsjubilare geehrt. Kinzig stellte sie mit ihrem heutigen Beruf, ihrem Promotionsthema und ihrem Doktorvater vor und überreichte ihnen eine Urkunde zum silbernen bzw. goldenen Promotionsjubiläum.

Nach der Feier fand in der Wandelhalle ein kleiner Empfang statt. Am Abend lud die Unabhängige Liste Fachschaft Jura zum Examensball im Casino am Neckar ein.

Abzüge der von Hoffmann Fotographie gemachten Aufnahmen können Sie hier bestellen. Benutzername und Passwort wurden nach der Veranstaltung mitgeteilt, werden vom Dekanat auf Anfrage aber gerne zur Verfügung gestellt.

Text: Pascal M. Ludwig