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Stalking. Eine kriminologische Annäherung

Eine Vortragsveranstaltung des Forums Junge Rechtswissenschaft, unterstützt von der Juristischen Gesellschaft der Universität Tübingen und der BW Bank
Stalking. Eine kriminologische Annäherung

Jun.-Prof. Dr. Katrin Höffler

 

Zu Beginn Ihres Vortrages wies Jun.-Prof. Dr. Katrin Höffler daraufhin, dass der Gesetzgeber mit Einführung des eigenständigen Stalking-Straftatbestandes § 238 StGB einen Versuch unternommen hat, Stalking strafrechtlich zu bewältigen. Um die Geeignetheit dieses Vorgehens beurteilen zu können, sollten die kriminologischen und rechtstatsächlichen Hintergründe des Phänomens Stalking beleuchtet werden.

Nachdem Höffler einen Überblick über die unterschiedlichen Definitionsansätze der Bezugswissenschaften (u.a. Psychologie, Soziologie, Strafrecht) gegeben hat, ging sie zunächst auf Befunde aus nationalen Studien ein. Hier zeigte sich das einheitliche, aber dennoch zu hinterfragende Bild, dass die Täter überwiegend männlich, die Opfer überwiegend weiblich sind. Nur selten kannten sich Täter und Opfer im Vorfeld nicht, eine große Bedeutung kommt dem sog. Ex-Partner-Stalking zu. Bemerkenswert ist auch das Ausmaß der Folgen für die Opfer; diese leiden häufig unter Depressionen und anderen physischen und psychischen Krankheiten, auch sehen sie sich oft zu gravierenden Umstellungen ihres beruflichen und privaten Lebensbereichs gezwungen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Darstellung der in den amtlichen Kriminalstatistiken (polizeiliche Kriminalstatistik und Strafverfolgungsstatistik) zum Tatbestand der Nachstellung (§ 238 StGB) erhobenen Daten. Die obigen Befunde wurden weitgehend bestätigt. Deutlich wurde, dass nur bei einer geringen Zahl der Täter die Schuldfähigkeit tatsächlich im rechtlichen Sinne tangiert ist.

Im Anschluss ging Höffler auf die speziell für Stalking entwickelten Täter-Typologien ein, die versuchen, das Phänomen - am Täterverhalten und den Umständen anknüpfend - differenzierter zu erfassen. Höffler betonte jedoch, dass eine statische Einteilung kaum möglich erscheint, da nachstellende Verhaltensweisen meist sehr komplex und dynamisch sind. Plastisch wurde dies anhand des 6-Stufen-Modells von Meloy, anhand dessen einzelne Phasen des Prozesses, den ein Stalker möglicherweise durchläuft, herausgearbeitet werden können.

Abschließend plädierte Höffler dafür, die Bewältigung des Phänomens nicht allein dem Strafrecht zu überantworten, sondern ein umfassendes Konzept, das Aspekte der Gesundheitsfürsorge, des Opferschutzes (Schadensersatzansprüche u.a.) und der Sozialpolitik einbezieht, zu entwickeln.