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Antidiskriminierung im 17. Jahrhundert

Prof. Dr. Wolfgang Forster sprach in seiner Antrittsvorlesung über ein Gutachten des Kanonisten Agostinho Barbosa (1590-1649)
Antidiskriminierung im 17. Jahrhundert

Prof. Dr. Wolfgang Forster

 

Mit den Worten „Spanien ist pleite!“ begann Prof. Dr. Wolfgang Forster seine Ausführungen. Das Auditorium wähnte sich aber nur kurz im 21. Jahrhundert. Denn Forster sprach vom sog. Staatsbankrott Spaniens im Jahr 1627, also zu Zeiten König Philipps IV. Um die Regierungsgeschäfte, und damit auch die anstehende Refinanzierung, kümmerte sich in erster Linie König Philipps wichtigster und einflussreichster Minister Olivares. In die Maßnahmen, die den spanischen König mit neuem Geld ausstatten sollten, wurden auch portugiesische Bankiers eingeschaltet. Um ihnen für die Kapitalspritzen zu danken, sollten schließlich einige der Bankiers in verschiedene Ämter am Hofe berufen werden. Hierunter befand sich auch ein Bankier mit jüdischen Vorfahren, weshalb ein Mitglied des entsprechenden Rates gutachterlich klären lassen wollte, ob diese jüdische Abstammung ein Grund sein kann, die Berufung in einen königlichen Rat zu verweigern. Die Frage des Umgangs mit den sog. „Conversos“, den vom Judentum zum Christentum Konvertierten und deren Nachkommen, hatte Agostinho Barbosa in einem Gutachten im Jahr 1645 zu klären. Dieses Gutachten stand fortan im Mittelpunkt von Forsters Antrittsvorlesung.

 

 

Mitte des 17. Jahrhunderts herrschten in Spanien Vorbehalte gegen die auch als „Neuchristen“ bezeichneten „Conversos“, da man ihnen vorwarf, insgeheim doch keine richtigen Christen zu sein. Barbosa fertigte zu der aufgeworfenen Frage ein dreiteiliges Gutachten an, in dem er zu bemerkenswerten Schlussfolgerungen kam. Unter Rückgriff auf Regelungen aus dem römischen Recht stellte er zunächst fest, dass eine Verpflichtung zur Belohnung des Verdienstvollen „von Natur aus“ bestehe. Das heißt, wer sich um den spanischen Staat verdient gemacht hatte, müsse für diese Verdienste auch entsprechend gewürdigt werden. Zudem legte Barbosa dar, dass die „Statuten über Blutreinheit“ nicht angewandt werden dürften. Schließlich drehte er den Spieß im Streit zwischen Alt- und Neuchristen gewissermaßen um: der von Juden abstammende Adel sei der wesentlich ältere und traditionsreichere, weil die Juden das älteste Volk seien. Zudem seien auch die ersten Christen Konvertiten gewesen, so dass die „Conversos“ durch ihre Abstammung die eigentlichen Altchristen seien.

Letztlich kam Barbosa zum Ergebnis, dass der Ausschluss der portugiesischen Bankiers wegen ihrer jüdischen Abstammung eine Todsünde sei. Eine Diskriminierung aufgrund dieser Abstammung dürfe nicht stattfinden. So wurde Forsters These im Titel seiner Antrittsvorlesung, Agostinho Barbosa sei ein Kämpfer gegen den Antisemitismus gewesen, eindrucksvoll gerechtfertigt. Abschließend stellte Forster Barbosa und den spanischen Dichter Francisco de Quevedo gegenüber.

Die Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.

Text: Alexander Dörr