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Ulrike Schultz warb für eine (auch) weiblich geprägte juristische Wissenschaftswelt

Am Mittwoch, dem 26. Oktober 2016, hielt Frau Ulrike Schultz im Großen Senat der Juristischen Fakultät einen Vortrag zum Thema "Professorinnen in der Rechtswissenschaft - Ist die juristische Wissenschaftswelt männlich dominiert?". Die Referentin beantwortete diese Frage ohne Umschweife mit ja. Der Vortrag der Volljuristin Frau Schultz ging also nicht der Frage nach, ob, sondern warum es in der Rechtswissenschaft so wenige Professorinnen gibt. Diese selbstverständlich nicht monokausal zu beantwortende Frage leuchtete Frau Schultz detailliert aus. Sie erheiterte das Publikum, indem sie in ihrem Vortrag mehrere Fotos juristischer Fakultäten und Lehrstühle integrierte, die die Geschlechterverhältnisse veranschaulichen sollten. Hiermit erleichterte sie den Zugang zu der teilweise mit einiger Verbissenheit geführten Diskussion über die Notwendigkeit von Frauenförderung. Anhand von Statistiken zeigte sie den teilweise eklatant voneinander abweichenden Anteil von Männern und Frauen in den verschiedenen juristischen Qualifikationsstufen auf. So stehen einem Frauenanteil in den beiden Examina von 56 % nur 11% Professorinnen gegenüber. Während 22% der Männer promovieren, promovieren nur 11% der Frauen.

Nach einer Begrüßung durch die Gleichstellungsbeauftragte der Juristischen Fakultät, Frau Jenny Wienert, präsentierte Frau Schultz den rund 60 interessierten Zuhörern die vorläufigen Erkenntnisse aus der von ihr mitgeleiteten Studie JurPro (De jure und de facto: Professorinnen in der Rechtswissenschaft. Eine Untersuchung der Bedingungen von Professorinnenkarrieren zur Verbesserung der Organisationsstruktur und -kultur in der Rechtswissenschaft.). JurPro ist die bundesweit erste Untersuchung zur fachspezifischen Situation von Professorinnen in der Rechtswissenschaft.

Frau Schultz zählte strukturelle und individuelle Gründe der Unterrepräsentanz von Frauen in der juristischen Wissenschaftswelt auf. Als einen der potentiellen individuellen Gründe für eine Unterrepräsentanz von Frauen behandelte Frau Schultz die These, ob Juristinnen über ein geringeres akademisches Kapital verfügen. Zwar sei feststellbar, dass die Noten von Frauen im Ersten Staatsexamen im Schnitt schlechter seien, im Zweiten Staatsexamen hingegen nicht. Hier sieht sie einen Bedarf an Ursachenforschung. Im Anschluss untersuchte sie die Faktoren Traditionen in der Rechtswissenschaft und die juristische Fachkultur auf ihre mögliche Barrierewirkung für Frauen. Traditionell wurden Frauen aus dem juristischen Studium und den juristischen Berufen exkludiert. Bespielhaft führte sie an, dass erst 1965 die erste Juraprofessorin in (West-)Deutschland berufen wurde.

Im Anschluss gewährten Frau Prof. Dr. Barbara Remmert und Frau PD Dr. Iris Kemmler den Zuhörern Einblicke in ihre persönlichen akademischen Werdegänge. Dabei wurde deutlich, wie entscheidend beide durch die Begeisterung für wissenschaftliches Arbeiten motiviert wurden. Danach stellten sie sich gemeinsam mit der Referentin den Fragen der Zuhörer. Hieraus entwickelte sich eine interessante Gesprächsrunde, die im informelleren Rahmen bei einem Empfang im Kleinen Senat fortgeführt wurde.

Die Gleichstellungsbeauftragte bedankt sich bei Frau Ulrike Schultz für den erkenntnisreichen und umfassenden Vortrag. Die endgültigen Ergebnisse der Studie JurPro werden sicher einem weiten Publikum viele Denkanstöße geben können. Ebenso möchte sich die Gleichstellungsbeauftragte bei Frau Prof. Dr. Barbara Remmert und Frau PD Dr. Iris Kemmler für ihre Mitwirkung herzlich bedanken.

Text: Jenny Wienert // Fotos: Pierre Bounin