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Verleihung der Ehrendoktorwürde an Wilhelm Schluckebier

Im Rahmen eines feierlichen Festakts verlieh die Juristische Fakultät Tübingen am 23.10.2015 Herrn Wilhelm Schluckebier, Richter des Bundesverfassungsgerichts, die Ehrendoktorwürde für sein prägendes Wirken auf dem Gebiet des Grundgesetzes und der Grundrechte.

 

Dekan Prof. Dr. Christian Seiler begrüßte die geladenen Gäste und Angehörigen der Juristischen Fakultät, der Evangelisch-Theologischen sowie der Katholisch-Theologischen Fakultät und des Zentrums für Islamische Theologie der Eberhard Karls Universität im Großen Senat. Zuletzt im Jahr 2011 verliehen, betonte er die Seltenheit einer solchen Zuerkennung der Ehrendoktorwürde an der Juristischen Fakultät Tübingen.

Als Richter aber auch als Wissenschaftler habe Schluckebier sich um das Recht besonders verdient gemacht, führte Seiler weiter aus. Die Frage um das Verhältnis zwischen Staat und Religion stünde dabei im Zentrum seines juristischen Wirkens.

Mit der Verleihung möchte die Fakultät auch ihre enge Verbindung zur Verfassungsgerichtsbarkeit zeigen, so Seiler. Neben dem Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts lehren und lehrten an der Fakultät zahlreiche weitere Bundes- und Landesverfassungsrichter sowie Richter anderer Obergerichte. Wohl kaum eine andere Fakultät könne eine so hohe Richterdichte in ihrem Lehrkörper aufweisen.

 

 

In der anschließenden Laudatio hob Prof. Dr. Ferdinand Kirchhof, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, die besondere fachliche Bandbreite des Geehrten hervor. Er zeichnete den Berufsweg der „25-jährigen Musterkarriere“ des Justizjuristen auf.

Das große Interesse für das Öffentliche Recht vertiefte Schluckebier schon früh als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei einem verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Lehrstuhl der Universität Gießen sowie später beim Bundesverfassungsgericht; durch seine Abordnung an das Bundeskanzleramt im Bereich Recht und Verwaltung war er zudem auf dem Gebiet des Öffentlichen Dienstes tätig. Dem Zivilrecht habe sich Schluckebier besonders in seiner Richterzeit am Amtsgericht gewidmet. Später nahm er auch das Richteramt am Landgericht, Oberlandesgericht, Bundesgerichtshof und seit 2006 im Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts ein. Im Herzen ursprünglich immer dem Strafrecht zugewandt, wurde er in jungen Jahren zum Generalbundesanwalt abgeordnet, wo er später als Oberstaatsanwalt und dann als Bundesanwalt tätig war.

Für sein prägendes Lebenswerk, für die enorme fachliche und tiefschürfende Vielseitigkeit des Justizjuristen mit Ausflügen in die rechtberatende Politikberatung, die Justizverwaltung wie in die akademische Lehre (an der Tübinger Fakultät z.B. mit Seminaren zum Verfassungs- und Staatskirchenrecht) stehe Wilhelm Schluckebier die akademische Würdigung einer Ehrenpromotion zu.

 

 

Nach Verlesung der Promotionsurkunde, wonach Schluckebier „die akademische Ausbildung am Grundgesetz orientiert und die Grundrechte mit Leben erfüllt“, überreichte Seiler die Urkunde und damit die Ehrendoktorwürde an den Geehrten.

 

Nach seinen Dankesworten widmete sich Wilhelm Schluckebier in seinem Vortrag dem brisanten Thema „Vom Kopftuch bis zum Karfreitagstanz – aktuelle Fragen zur Glaubensfreiheit“.

Dabei ging er zunächst auf den nach wie vor vom Bundesverfassungsgericht weit gefassten Schutzbereich und die Schranken der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit aus Art. 4 GG ein.

Daraufhin stellte Schluckebier anhand konkreter Fälle wie der Kopftuchentscheidung dar, wie entscheidend eine scharfe Abwägungsdogmatik im Spannungsbogen zwischen dem Grundrecht und gegenläufigen verfassungsrechtlichen Positionen sei.

Aufgrund der immer deutlicher hervortretenden Interessensgegensätze zwischen christlichen Konfessionen und erstarkenden atheistischen/areligiösen Strömungen stehe die Gesellschaft und die Verfassungsdogmatik vor großen Herausforderungen.

Am Ende zeigte Schluckebier Zuversicht und berief sich auf die Werte der Toleranz, des Verantwortungsbewusstseins und Respekts. Dies und die lebendige Wahrnehmung der Individualgrundrechte, insbesondere der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit, sei der Grundstock der Demokratie in einer pluralistischen Gesellschaft.

 

Nach großem Applaus für seinen Vortrag zogen der Geehrte und die Professoren der Fakultät aus dem Großen Senat aus.

 

Weitere Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.

 

 

Fotos: Pierre Bounin
Text: Helen Thoma