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Examensfeier

Am 22. Juli 2015 erhielten im Rahmen der gemeinsam mit dem Landesjustizprüfungsamt veranstalteten Examensfeier die Absolventen der Ersten Juristischen Staatsprüfung und die Teilnehmer des LL.M.-Studiengangs der Fakultät ihre Zeugnisse.

„Von Verantwortungs- und Entscheidungsmacht“

Nach einer musikalischen Einleitung durch das Duo der Tübinger Musikschule (Sonate für Klarinette und Klavier von Francis Poulenc) begrüßte der Dekan Prof. Dr. Christian Seiler die frisch Examinierten, die Absolventen des LLM Studiengangs und deren Familien und Freunde.

Seiler wies auf die Verantwortungs- und Entscheidungsmacht hin, die den Absolventen nun künftig anvertraut werde. Ob als Richter, in der Wirtschaft oder als Hochschullehrer – sie würden Entscheidungen zu treffen haben, die wichtige Konsequenzen für andere Menschen hätten. Selbstkritisch hinterfragte er, ob die Fakultät den Studierenden neben der Vermittlung der Rechtsmaterie auch die nötige Sensibilität für die Auswirkungen juristischer Entscheidungen auf das gesamte Umfeld mit an die Hand gegeben habe. Hier möchte die Fakultät ansetzen, indem  angehende Juristen zukünftig an der Fakultät das klassische Jurastudium mit dem Zusatzzertifikat „Recht-Ethik-Wirtschaft“ erweitern könnten. Das deutschlandweit einzigartige Angebot rege durch interdisziplinäre Lehreinheiten zu Grundfragen der Wirtschaftsethik an.

 

„Zu den Besten zählen“

Die Präsidentin des Landesjustizprüfungsamtes Christine Jacobi beglückwünschte die Absolventen, die Erste Juristische Staatsprüfung als eine der schwierigsten Prüfungen in Deutschland gemeistert zu haben.

„Wer sich selbst nicht zum Besten haben kann,

der zählt gewiss nicht zu den Besten.“

Mit diesem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe machte Jacobi deutlich, dass der Weg zur Ersten Juristischen Prüfung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sei. Dabei stelle die jahrelange Examensvorbereitung eine intellektuelle und physische Belastung dar.

Zu den Statistiken: Insgesamt haben 186 Kandidaten (davon 119 Frauen) an der Ersten Juristischen Staatsprüfung teilgenommen. Mit 12,78 Punkten und 12,41 Punkten konnten zwei Teilnehmer die Note „gut“ erreichen, zwölf Teilnehmer erhielten die Note „vollbefriedigend“.

 

„Tübingen, eine Fakultät die inspiriert“

Den Festvortrag hielt der renommierte Drehbuchautor Prof. Dr. Fred Breinersdorfer, der selbst in den Jahren 1968-1972 das Jurastudium an der Tübinger Fakultät absolvierte. Mit seinem Vortrag nahm er die Hörerinnen und Hörer mit auf eine Zeitreise zurück in seine studentischen Jahre an der Fakultät. Es habe damals eine Periode geherrscht, die stürmischer und aufgeladener nicht hätte sein können: der Vietnamkrieg, die Verbrechen der Deutschen im Nationalsozialismus und die tobenden Debatten um die Notstandsverfassung als Bedrohung der verfassungsmäßigen Rechte. Es sei eine unruhige Phase gewesen, in der große Geister die Fakultät prägten. Lehrende wie Günther Dürig, aber auch Otto Bachof, Joseph Esser, Ludwig Raiser oder Dieter Medicus waren Begründer der demokratischen Rechtswissenschaft nach dem Krieg. Zeitgleich hätten Breinersdorfer und seine Kommilitonen die Chance gehabt, sich gegen solch namhafte Größen aufzulehnen, indem sie einen heftigen aber gewaltfreien Diskurs führten. Mit der Leidenschaft einer Grundüberzeugung und einem tiefen Gefühl gesellschaftlicher Verantwortung wollten sie die damals noch junge Verfassung bewahren und die Gesellschaft weiter entwickeln, das Recht demokratisieren und humanisieren. Letzten Endes sei dieser Kampf um die Verantwortung das prägende Element gewesen, das Breinersdorfer aus seiner Zeit an der Tübinger Fakultät mitgenommen habe. Wegen der Verantwortung um das Ganze und für andere habe es sich gelohnt, die Debatte um den Zustand und die Perspektiven der Zivilgesellschaft zu führen.

Er appellierte an die Absolventen, mit dem jetzt erworbenen Handwerkszeug den Menschen zu helfen, indem sie die vielfältigen privaten und gesellschaftlichen Konflikte, die an sie herangetragen würden, verantwortungsvoll lösen.

Geprägt und inspiriert von jenen Jahren in einer Blüte der Fakultät ermutigte Breinersdorfer die angehenden Juristen, in Ihrem Beruf nicht nur für den Auftraggeber eine Verantwortung zu empfinden, sondern vielmehr für den Auftrag selbst. Er forderte sie auf, faire Verträge, abgewogene Urteile und Entscheidungen mit Augenmaß anzustreben. Abschließend wünschte er den Absolventen den Berufsweg ihrer Träume und unterwegs nicht die Verantwortung als das Fundament der Juristerei zu vergessen.

 

Ansprache von der Studierendensprecherin, Übergabe des Reinhold-und-Maria-Teufel-Preises und der Magister-Urkunden

Die Studierendensprecherin Katharina Pitzen blickte zurück auf die ersten Semester an der Tübinger Fakultät, in denen man habe beobachten können, wie man sich einzelnen juristischen Gepflogenheiten immer mehr anpasste und verschiedene Situationen im Alltag nach und nach rechtlich hinterfragte. Dabei gelte ein großer Dank der herausragenden Lehre der Professorenschaft, die den Absolventen das nötige Handwerkszeug mitgegeben hätten. Auch dankte Pitzen Familien und Freunden für ihre Unterstützung in der oft schwierigen und zähen Zeit der Examensvorbereitung. Am Beginn ihrer Zukunft stehend wünschte sie den Absolventen im Namen aller Studierenden alles Gute

Michael Beck, Oberbürgermeister der Stadt Tuttlingen, der Geschäftsführer überreichte sechs Doktoranden der Juristischen Fakultät, die auf Vorschlag einer Fakultätskommission für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen ausgewählt worden waren, den Promotionspreis der Reinhold-und-Maria-Teufel-Stiftung .

Prof. Dr. Martin Gebauer, LL.M.-Beauftragter der Juristischen Fakultät, überreichte sodann die Magister-Urkunden an die erfolgreichen Absolventen des LL.M.-Programms.

Abschließend erhielten die frisch gebackenen Referendare von Jacobi und Seiler ihre Examenszeugnisse überreicht.

 

Am Abend veranstaltete die Unabhängige Liste Fachschaft Jura (ULF) einen Ball im Museum Tübingen.

Die Fakultät dankt allen Helfern, die die Veranstaltung ermöglicht haben. Dazu zählen insbesondere: Der Deutsche Anwaltverein Tübingen, die Mitarbeiter des Dekanats, die Juristische Gesellschaft und die Fachschaften.

Abzüge der von Hoffmann-Fotographie gemachten Aufnahmen können Sie hier bestellen. Benutzername und Passwort wurden nach der Veranstaltung mitgeteilt, werden vom Dekanat auf Anfrage aber gerne zur Verfügung gestellt.

Text: Laura Helen Thoma/ Bilder: Hoffmann-Fotografie