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Studieren als „gemeinsames Bemühen“

Examensfeier mit Vortrag zum Standortfaktor „Recht“

 

Am 11. Februar 2015 erhielten im Rahmen der gemeinsam mit dem Landesjustizprüfungsamt veranstalteten Examensfeier die Absolventen der Ersten Juristischen Staatsprüfung ihre Zeugnisse. Ebenso wurden die Gold- und Silberdoktoranden der Fakultät geehrt.

Musikalisch eingeleitet wurde die Feier im Festsaal von der Klezmer-Gruppe der Tübinger Musikschule. Dekan Prof. Dr. Christian Seiler begrüßte danach die Studierenden, die Promotionsjubilare und alle Verwandten und Freunde.

Mit der Universität als Anstalt der Lehre und des Lernens verbinde schon das gemeinsame Studium (mit seinem Wortsinn „Bestreben, Bemühen“) die Professoren mit den Studierenden, so Seiler. Nur durch das kritisches Nachfragen und Hinterfragen der Studierenden entstünden neue Denkanstöße. Mit Blick auf die Gold- und Silberdoktoranden, die während dieser Feier ebenfalls geehrt würden und ihren beruflichen Weg erfolgreich gemeistert hätten, verwies er auf die gute Ausbildung der renommierten juristischen Fakultät in Tübingen. Die Absolventen seien ebenfalls ausgezeichnete Multiplikatoren, mit denen sich die Universität gerne schmücke.

Über eine lange Reise

Auch die Präsidentin des Landesjustizprüfungsamtes, Christine Jacobi, gratulierte den Absolventen zu der bestandenen Ersten Juristischen Staatsprüfung, die deutschlandweit zu den schwierigsten Prüfungen gehöre. In Tübingen konnte ein Kandidat mit 12,06 Punkten die Note „gut“ erreichen, zwölf Teilnehmer erhielten die Note „vollbefriedigend“.

Jacobi verglich das juristische Studium mit einer langen und anstrengenden Reise für die Studierenden, bei der man sich zunächst im „Paragraphen-Dschungel“ zurechtfinden müsse. Auch wenn die Richtung der Reise von Anfang an feststünde, sei keine „Pauschalreise“ gebucht worden. Vielmehr bestünde großer Entscheidungsfreiraum, insbesondere bei der Wahl des Schwerpunktstudiums. Großer Dank gehe an die Professoren, die durch die Vermittlung von Wissen und Methodik die juristische Orientierung auf der Landkarte eingezeichnet hätten.

Funktionierendes Rechtswesen als Standortfaktor

Als Festredner ging der Vizepräsident des Bundessozialgerichts, Prof. Dr. Rainer Schlegel, der ebenfalls in Tübingen studiert hatte und bei der diesjährigen Examensfeier die Silber-Promotion in Empfang nahm, auf das Thema „Funktionierendes Rechtswesen als Standortfaktor“ ein. Dies belegte er anhand beispielhafter Aspekte der Juristenausbildung von Justiz, Verwaltung und Gesetzgebung.

Die zweistufige Juristenausbildung mit dem juristischen Vorbereitungsdienst als Grundlage aller juristischen Berufe gewährleiste einen gleichen Ausbildungsstand bei Berufsstart – dies dank der bewährten Staatsexamina, die im Vergleich zu anderen Studiengängen nicht den Bologna-Prozess durchlaufen mussten. Mit der Einrichtung von fünf Gerichtszweigen gehe in Deutschland, so Schlegel, eine Spezialisierung der Richter einher, wodurch das Rechts- und Gerichtssystem auf die Komplexität seiner Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zugeschnitten werde. Die Gewährleistung effektiven Rechtsschutzes als Ausprägung des Sozialstaates ermögliche jedermann den Zugang zu den Gerichten. Jedoch bekämen die staatlichen Gerichte zunehmend Konkurrenz durch innerstaatliche und internationale Schiedsgerichte nicht nur, wenn es um den internationalen Geschäftsverkehr zwischen privaten Unternehmern, sondern auch um die Rechtsbeziehungen zwischen Unternehmen und Staaten gehe. Ob die Stellung der nationalen Gerichte mit ihren Vorteilen und Stärken weiterhin bestehen bleiben könne, sei derzeit offen. Schlegel betonte weiter, dass Rechtsanwälte durch ihre Unabhängigkeit gleichrangig neben Richtern und Staatsanwälten als Organe der Rechtspflege ihre Aufgaben im Rechtstaat erfüllten. Dabei seien ihre vermittelnde Rolle und ihr psychologisches Geschick wesentlich für ein funktionierendes Rechtswesen.

Im Ergebnis hielt Schlegel fest, dass das deutsche Rechtssystem den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauche. Vielmehr könne dem deutschen Recht getreu dem Slogan des Justizministeriums „Law – Made in Germany“ ein Qualitätssiegel zuerkannt werden.

Der Beginn der Zukunft

Die Studierendensprecherin Katharina Pitzen gratulierte den Absolventen im Namen aller Studierenden. Sie warf den Blick zurück auf die Anfangssemester des Jura Studiums und arbeitete heraus, dass man nach einigen Semestern zwar „scheinfrei“, doch mit Blick auf die Erste Juristische Staatsprüfung als eigentliches Ziel nur zum Schein frei sei. Pitzen hob schließlich die unverzichtbare Unterstützung der Familie, Freunde und Dozenten vor allem in der Zeit der Examensvorbereitung hervor. „Am Anfang ihrer Zukunft stehend“ wünschte sie den Absolventen alles Gute für ihren neuen Lebensabschnitt.

Im Anschluss wurden die Silber- und Gold-Promotionsjubilare vorgestellt und ihnen ihre Urkunden überreicht. Am Abend veranstaltete die Fachschaft ULF einen Examensball in den Räumlichkeiten des Museums.

Bilder der Veranstaltung finden Sie in der Galerie von Fotograf Hoffmann. Zugangsdaten wurden bei der Veranstaltung ausgegeben. Auf Anfrage stellt das Dekanat diese zur Verfügung.

Text: Helen Thoma/ Fotos: Hoffmann Fotografie