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In Memoriam Prof. Dr. Ulrich Weber

Familie, Freunde und Schüler gedenken des akademischen Wirkens

 

Dekan Prof. Dr. Christian Seiler stellte Prof. Dr. Ulrich Weber als einen „verdienstvollen Menschen“ der Fakultät vor, der bereits sein Studium in Tübingen absolvierte. Im Jahre 1989 sei er als Professor zurückgekehrt und der Fakultät als Forscher und Lehrer bis zu seinem Tode im Dezember 2013 – weit über seine Pensionierung hinweg – treu gewesen.

Prof. Dr. Wolfgang Grunsky (Universität Bielefeld) richtete seinen Blick auf Weber als Freund. Er blickte auf einen „lebensfrohen und pflichtbewussten“ Kreis von Assistenten zurück, die sich in den 60er Jahren häufig zum Tischtennisspielen getroffen hätten und anschließend das Weinhaus Schmid aufsuchten. Durch eine „Doppelkopf-Runde“ seien die hier entstandenen Freundschaften über die Jahre hinweg „institutionalisiert“ worden. Grunsky stellte fest, dass Webers Humor „spektakulär“ gewesen sei, wie bei der Gedenkfeier noch mehrfach betont wurde. Man könne ihn gar als „Erfinder des geschichtslosen Witzes“ sehen – man wusste nie, wo die Pointe lauerte.




Prof. Dr. Christian Seiler
Dekan der Juristischen Fakultät
Prof. Dr. Wolfgang Grunsky
(Universität Bielefeld)
Prof. Dr. Wolfgang Mitsch
(Universität Potsdam)

Bereits in der Begrüßung wurde deutlich, dass Weber immer auch ein Auge auf das Zivilrecht hatte. Dies griff Prof. Dr. Wolfgang Mitsch (Universität Potsdam) auf und urteilte, dass Weber auch ein sehr guter Zivilrechtslehrer hätte werden können. In seiner Dissertation zur Vormerkung habe Weber das Bild des „Schutzmantels um den schuldrechtlichen Anspruch“ geprägt. Mitsch hob hervor, dass Weber im Grenzbereich zwischen Strafrecht und Zivilrecht beharrlich für die Subsidiarität des Strafrechts plädierte. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass diesem Plädoyer stets die nötige Beachtung zukomme.

Auch im Urheberstrafrecht betonte Weber den Subsidiaritätsgrundsatz, wie Prof. Dr. Bernd Heinrich (Humboldt Universität Berlin) herausarbeitete. In seiner Habilitationsschrift zu diesem Thema befasste sich Weber mit einem Rechtsgebiet, das sich bis dahin in einem „Dornröschenschlag“ befunden habe. So forderte Weber, dass bei Urheberrechtsverletzungen im Vordergrund eine Zahlung an den Urheber stehen müsse, nicht die staatliche Sanktion. Die Qualität und Aktualität des Werks sei insbesondere auch dadurch bestätigt, dass der BGH in einer der ersten Leitentscheidung zum Urheberstrafrecht 2004 die zu diesem Zeitpunkt 28 Jahre alte Monographie Webers mehrfach zitiert habe.




Prof. Dr. Bernd Heinrich
Humboldt Universität Berlin
Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf
(Universität Würzburg)
Prof. Dr. Detlev Sternberg-Lieben
(Universität Potsdam)

Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Universität Würzburg) bentonte, dass Webers Werke zum Allgemeinen und Besonderen Teil des Strafrechts von der klassischen Dogmatik nach deutschem Rechtsverständnis geprägt gewesen seien. Diese Dogmatik sei als „Exportschlager“ zu bewerten. Andererseits mahnte Hilgendorf davor, dass die Forschung ihre Praxisrelevanz durch „zu feine Differenzierung“ verlieren könnte. Dies belegte er insbesondere mit einem rechtsvergleichenden Blick in die USA. Die klassische Strafrechtsdogmatik sei unverzichtbar; nur so könne Willkür bei der Rechtsanwendung und Rechtssetzung verhindert werden.

Schließlich habe sich Weber auch ausgiebig mit dem Wirtschaftsstrafrecht befasst, wie Prof. Dr. Detlev Sternberg-Lieben (Universität Dresden) vortrug. Auch diese Disziplin sei von der Ermahnung zur Subsidiarität und hinreichenden Bestimmtheit des Strafrechts geprägt gewesen. So habe Weber etwa die Ausdehnung des Untreuetatbestandes durch die schadensgleiche Vermögensgefährdung durch die Rechtspraxis scharf kritisiert. Als Lösung habe er die Schaffung von Vermögensgefährdungsdelikten im Vorfeld des Betruges gesehen. Sternberg-Lieben ging zuletzt auf ein Vorhaben zur Schaffung eines Verbandsstrafgesetzbuches ein. So sah Weber das Dogma, dass eine Strafbarkeit von juristischen Personen ausscheiden müsse, weil diese weder handlungs- noch daher schuldfähig seien, als durchaus anfechtbar an. Die Verantwortlichkeit könne nicht nur einzelnen Personen, sondern viel mehr auch einer Organisationsstruktur zuzurechnen sein; der Schlusspunkt sei durch das Gesetz festzulegen.

 

Weber hielt 2013 im Rahmen der Examensfeier die Festrede „Mehr Licht als Schatten“. Im Fakultätsnewsletter JURA-Aktuell wird diese ab der Ausgabe II/2014 auszugsweise abgedruckt.

Die Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.