Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen

Benutzerspezifische Werkzeuge

Institut für Kriminologie

Zentrale Forschungsergebnisse

Forschungsprojekt: „Straffälligenhilfe unter Veränderungsdruck“


Ziel des Forschungsprojektes war es, die Auswirkungen der kriminal- und sozialpolitischen Entwicklungen der letzten Jahre auf die Freie Straffälligenhilfe zu erfassen und hinsichtlich ihrer Bedeutung zu interpretieren.
In der Studie sollten typische Feldkonstellationen erfasst werden, die unterschiedlichen Entwicklungstendenzen vor der Vielzahl der Strukturmerkmale abgebildet und schließlich ein Gesamtbild entworfen werden, das Aussagen zur Relevanz und zum Ausmaß der Veränderungen in der Freien Straffälligenhilfe erlaubt. Realisiert werden sollte dies auf der Basis eines zweigeteilten Untersuchungsdesigns. Der erste Teil der Untersuchung besteht aus fünf Fallstudien lokaler Netzwerke der Straffälligenhilfe. Den zweiten Teil der Untersuchung bildet eine quantitative repräsentative Befragung von Trägern und Einrichtungen der Freien Straffälligenhilfe in ganz Deutschland.

Zentrale Forschungsergebnisse

  1. Die konkrete Ausgestaltung der Freien Straffälligenhilfe in Deutschland orientiert sich an lokalen und regionalen Bedingungen sowie an die An- bzw. Einbindung in größere Organisationszusammenhänge. Diese organisationsrelevanten Unterschiede haben eine sehr differenzierte Ausgestaltung der Freien Straffälligenhilfe zur Folge.
  2. Ungeachtet der Diskussionen um den Rückzug des Sozialstaates und der Zurückdrängung des Resozialisierungsgedankens kam es in den zurückliegenden Jahren zu einem Ausbau des Hilfsangebots der Freien Straffälligenhilfe in Deutschland. Die Erweiterung des Hilfsangebots schlägt sich auch in einem Anstieg der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen nieder.
  3. Das Wachstum des Hilfsangebots relativiert sich deutlich, wenn man die Entwicklung der Klientenzahlen betrachtet. Die Zahl der Strafgefangenen und Bewährungsprobanden, das Hauptklientel der Freien Straffälligenhilfe, hat nicht nur Ende der 90er Jahre stark zugenommen, sondern ist auch seit der Jahrtausendwende nochmals um ca. 15% angewachsen.
  4. Der Ausbau des Tätigkeitsspektrums bei vielen Akteuren der Freien Straffälligenhilfe ist eine Möglichkeit auf den zunehmenden Kostendruck zu reagieren. Mit neuen Tätigkeitsfeldern werden neue Geldquellen aufgetan und mehr Finanzierungssicherheit erreicht.
  5. Zu einem Ausbau kam es dabei nicht nur in den in klassischen Betätigungsbereichen, sondern auch in neueren Aufgabenbereichen wie der Vermeidung von Ersatzfreiheitsstrafen durch gemeinnützige Arbeit, Anti-Gewalt-Training, ambulante Therapien für Sexualstraftäter, Täter-Opfer-Ausgleich, Projekte zur Intervention bei häuslicher Gewalt oder Opferbegleitung vor Gericht.
  6. Die These, dass durch die Übernahme von neueren Tätigkeitsbereichen, die mit Kontroll- und Berichtspflichten verbunden sind, sich das Selbstverständnis der Freien Straffälligenhilfe verändert, konnte so nicht bestätigt werden. Für Unterschiede im Selbstverständnis scheinen weniger die aktuellen Tätigkeitsprofile der Einrichtungen als vielmehr der Spezialisierungsgrad und die Verbandstraditionen von Bedeutung zu sein.
  7. Obwohl der Zuwachs an ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen den Zuwachs an hauptamtlichen Mitarbeiter/innen bei weitem übersteigt, sieht nur eine kleine Minderheit der befragten Einrichtungen eine Konkurrenzsituation der beiden Beschäftigtengruppen.
  8. Drei Viertel der Einrichtungen sind in lokale Kooperationsgremien und Netzwerke eingebunden, in denen Fragen der Straffälligenhilfe thematisiert werden. Dennoch wird bei der der Frage nach Defiziten im Bereich der Straffälligenhilfe der Mangel an Vernetzung als größtes Defizit betrachtet.
  9. Durch die Privatisierung der staatlichen Straffälligenhilfe und die Übertragung neuer Aufgaben und damit einhergehend neuer Finanzierungsquellen drängen neue Akteure in den Bereich der Straffälligenhilfe. Diese Entwicklung führt zu einer „Durchmarktung“ der Straffälligenhilfe.
  10. Die Privatisierung der staatlichen Straffälligenhilfe führt nicht zu einem Verdrängungswettbewerb der etablierten Akteure der Freien Straffälligenhilfe. Sie führt jedoch zu einer Veränderung der über lange Jahre gewachsenen Arbeitsteilung und Ressourcenallokation in der Straffälligenhilfe.