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Institut für Kriminologie

Reintegration haftentlassener Terroristen in die Gesellschaft

Zu der Notwendigkeit und der inhaltlichen Ausgestaltung sozialpädagogischer Unterstützungsmaßnahmen am Beispiel der baskischen (politischen) Gefangenen

Dissertation Katharina Stelzel

 

Seit dem Jahr 2010 findet ein international mediierter und überwachter Friedensprozess zur Beilegung des spanisch-baskischen Konflikts statt. Bei diesem hat sich die Frage nach dem aktuellen und zukünftigen Umgang mit den konfliktbezogenen Gefangenen und ihrer im Einzelfall früher oder später notwendig werdenden Wiedereingliederung in die Gesellschaft als elementarer Aspekt für das weitere Fortschreiten des Friedensprozesses herauskristallisiert. Bislang ist jedoch nur wenig bekannt über die Eigenschaften, die diese Inhaftierten als KlientInnen in sozialpädagogischen Unterstützungsangeboten während des Reintegrationsprozesses in die Gesellschaft ausmachen.

Die Dissertationsschrift beleuchtet daher in einem ersten Schritt die soziodemographischen und strafvollzugsbezogenen Merkmale der baskischen Gefangenen, die im Zusammenhang mit dem Konflikt in und um das Baskenland wegen ihrer politisch-motivierten Taten auf der Grundlage der zuvorderst spanischen, aber auch französischen Terrorismusgesetzgebung inhaftiert wurden. Die Anwendung des Terminus „politischer Gefangener“ auf diese Klientel, zumindest auf die Gesamtheit dieser Gefangenen, ist umstritten, wobei die Dissertationsschrift nicht primär das Ziel verfolgt, hier eine Lösung anzubieten. Der in Klammern gesetzte Zusatz „politisch“ dient in erster Linie als Abgrenzung von anderen Deliktsarten.

Das durch die quantitative Auswertung von (zum Zeitpunkt der Erhebung) öffentlich zugänglichen Daten einer baskischen NGO zu jedem aktuell einsitzenden Gefangenen gewonnene Bild der im spanisch-baskischen Friedensprozess viel zitierten baskischen (politischen) Gefangenen soll der Planung eines Reintegrationsprogramms für diese spezifische Gefangenenklientel hinsichtlich ihrer eventuell vorhandenen besonderen Bedürfnissen und Bewältigungsaufgaben beim Übergang von der Haft in die Freiheit als Grundlagenforschung dienlich sein.

Im Hinblick auf eine mögliche sozialpädagogische Ausgestaltung des Reintegrationsprogrammes wird in einem zweiten Schritt das neuerdings entwickelte bzw. sich noch im Entwicklungsprozess befindliche „Programm Hitzeman“ der baskischen Regierung diskutiert und diesem zur weiteren ergänzenden Ausgestaltung kontrastierend die explizit für eine ähnlichartige Klientel geschaffenen Reintegrationsprogramme in anderen Ländern gegenübergestellt.

Ziel der Untersuchung ist somit einerseits die Erforschung der im Friedensprozess viel zitierten, aber dennoch in ihrer Charakteristik weitestgehend unbekannten baskischen (politischen) Gefangenen, womit die Dissertation den an diesem Friedensprozess Interessierten und wissenschaftlich oder praktisch Involvierten eine Informationsquelle bieten möchte. Andererseits möchte die Arbeit einen Beitrag zu dem im angelsächsischen Raum bereits verbreiteten, im deutschsprachigem Raum gerade aufkeimenden Diskurs zu der Thematik der Terroristen in Haft und der Herausforderung ihrer Wiedereingliederung in die Gesellschaft leisten. In diesem Zusammenhang möchte die Dissertationsschrift auch das sowohl sozialpädagogisch wie kriminologisch relevante Feld der Übergänge bzw. des Übergangsmanagements ergänzen um den Aspekt des Unterstützungsbedarfs von so genannten Terroristen, die nach der Haftentlassung wieder in die Gesellschaft integriert werden wollen und sollen und diesbezüglich zielgruppenspezifische Handlungsansätze eruieren.