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Schwerpunktbereiche

Religionsverfassungsrecht und Kirchenrecht

Foto: Arnold Dekker

 

Kruzifix und Schächten, Kopftücher und Burkini, Salafisten und Pegida, Islam und Leitkultur, Religionsunterricht und Ethikunterricht, Moscheen und Bischofssitze, Dritter Weg und Gewerkschaften, Feiertage und Ladenöffnung, Ehebilder und Lebenspartnerschaft, Kirchensteuer und Staatsleistungen, Gottesdienst und Fluglärm,… - dies sind nur einige der religionspolitischen Debatten, die zeigen: Der Schwerpunkt Religionsverfassungsrecht und Kirchenrecht ist von hoher Aktualität und Relevanz. Unter den Bedingungen gesellschaftlicher und religiöser Pluralisierung ist die Verhältnisbestimmung von Religion und religiösen Akteuren zum säkularen Staat anspruchsvoll: Religion ist nicht nur ein mögliches Element der Sinnstiftung des Einzelnen, sondern auch ein öffentlicher Faktor. Die noch immer großen christlichen Kirchen, sonstige Religionsgemeinschaften und ihre Einrichtungen nehmen wichtige Aufgaben der gesellschaftlichen Ordnung wahr, man denke nur an die Rolle von Caritas und Diakonie im Sozialstaat. Zugleich verlieren in Folge zunehmender Entkirchlichung und Säkularisierung der Gesellschaft traditionell überkommene Rechte der Religionsgemeinschaften an Akzeptanz.

Nicht nur die Religionsgemeinschaften haben in ihrem eigenen Rechtskreis auf diese Entwicklungen Antworten zu finden, auch und vor allem der Staat und sein Recht sind herausgefordert, auf diese Prozesse zu reagieren und zugleich den Anerkennungs- und Partizipationsansprüchen von im religionssoziologischen Umfeld der Bundesrepublik neuen Religionen zu genügen. Dabei ist die staatliche Rechtsordnung auch als Friedensordnung herausgefordert, das Miteinander religiöser Anliegen zu organisieren und religiös motivierter Intoleranz bzw. religiösem Fundamentalismus rechtliche Grenzen zu setzen. Das Religions- und Religionsverfassungsrecht beschreibt diese und andere Herausforderungen aus der Perspektive des säkularen Verfassungsstaates, ist nichts anderes als eine Querschnittsmaterie des staatlichen Rechts. Die Religionsfreiheit des Art. 4 Abs. 1, 2 GG ist nicht nur ein wichtiges Grundrecht, sie entfaltet sich auch in unterschiedlichsten Rechtsgebieten wie dem Arbeitsrecht, dem Baurecht, dem Datenschutzrecht, dem Europarecht, Gewerbe-, Hochschul-, Medien- und Schulrecht, dem Sozial- und Steuerrecht. Gleiches gilt für die institutionelle Gewährleistung der rechtlichen Stellung von Religionsgemeinschaften nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 136 ff. WRV. Das Kirchenrecht hingegen hat die Binnenrechtsordnung der christlichen Kirchen, hier der katholischen und evangelischen Kirchen zum Gegenstand. Neben der Binnenorganisation der Kirchen prägt das Kirchenrecht auch die Wahrnehmung des kirchlichen Auftrages in der Welt, bestimmt etwa die Arbeitsverfassung in kirchlichen Einrichtungen, die Wahrnehmung des kirchlichen Bildungsauftrages und prägt überhaupt die Sozialformen kirchlich gebundener Religiosität. Beide Rechtskreise bilden die Kernbereiche des Schwerpunktbereiches.

 

Weitere Informationen zum Schwerpunktbereich Religionsverfassungsrecht und Kirchenrecht finden Sie unter:

https://www.jura.uni-tuebingen.de/professoren_und_dozenten/droege/schwerpunkt