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Moot Courts

Allgemeine Informationen

 

Jessup Geschichte

 

Beim "Jessup" handelt es sich um den größten und ältesten internationalen Moot Court auf dem Gebiet des Völkerrechts. Er wurde 1959 von Studenten der Harvard und der Columbia University sowie der University of Virginia gegründet und wird seither jährlich von der International Law Students Association (ILSA) organisiert. Weltweit nehmen mehr als 500 Universitäten aus über 80 Ländern teil.

Gegenstand ist jeweils ein fiktiver Rechtsstreit zwischen zwei Staaten vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH). Verfahrenssprache ist Englisch. Die Fälle, die jeweils im September ausgegeben werden, orientieren sich an aktuellen völkerrechtlichen Fragen. Die deutsche Vorausscheidung findet zwischen 24. und 27. Februar 2016 statt. Die drei besten deutschen Teams qualifizieren sich für die Endrundenteilnahme, die im Ende März 2016 in Washington D.C. stattfindet; dort treffen sich die jeweils besten Teams aus mehr als achtzig Staaten, um in einer weiteren Runde mündlicher Verhandlungen den Besten auszuspielen. Richter sind bei den nationalen wie den internationalen Ausscheidungsrunden renommierte Professoren und Anwälte. So nahm in den letzten Jahren der IGH-Richter Bruno Simma bereits an den nationalen deutschen Ausscheidungsrunden teil.

Unter den vielen verschiedenen Wettbewerben, die sich mittlerweile etabliert haben, ist der "Philip C. Jessup" (benannt nach einem amerikanischen Völkerrechtsgelehrten und IGH-Richter) noch immer mit Abstand der bekannteste. Weltweit nehmen über 500 Universitäten aus mehr als 80 Ländern teil. Alle bearbeiten denselben völkerrechtlichen Fall. Dabei geht es jeweils um aktuelle völkerrechtliche Fragestellungen. In den letzten Jahren waren dabei unter anderem das Recht der Staatenverantwortlichkeit, Wirtschaftsrecht (GATT/WTO), die Bekämpfung des internationalen Terrorismus und das Völkerstrafrecht, oder auch so aktuelle Probleme wie Flüchtlingsströme und die Krim-Krise, Gegenstand der fiktiven Fälle.

 

Jessup - Tradition in Tübingen

 

In den Jahren 1998, 2005, 2007 und 2009 vertrat jeweils das Tübinger Team Deutschland in Washington – unsere bisher besten Platzierungen. Auch sonst haben sich die Mannschaften aus Tübingen durchweg gut bis hervorragend geschlagen; 2005/2006 z.B. erreichten wir Platz 3 von 13 deutschen Teams und 2008 und 2009 konnte das Team in der deutschen Ausscheidung den Preis für die besten Memorials gewinnen, die daraufhin mit den anderen weltweit besten Schriftsätzen konkurrierten. 2016 wollen wir wieder Flagge zeigen und das USA-Ticket lösen. Die Team-Mitglieder werden, der Tradition entsprechend, von Mitarbeitern des Lehrstuhls „gecoacht“ und auch im Übrigen in jeder Hinsicht unterstützt. Durch Teilnahme am Wettbewerb kann ein Seminarschein, ein Fremdsprachenschein, ein Schlüsselqualifikationsschein erworben werden. Ferner wird das Semester als Freisemester auf den Freiversuch angerechnet.


Ablauf des Wettkampfes

 

Ein Moot Court-Team besteht aus zwei bis fünf Teilnehmern, wobei jeweils nur zwei "Anwälte" pro Streitpartei plädieren dürfen. Ein Universitätsteam schreibt - anders als z.B. beim European Law Moot Court - Schriftsätze für beide Parteien des Streits.

Der zeitliche Aufwand für das Erstellen dieser sog. "Memorials" ist relativ hoch und sicher vergleichbar mit einer anspruchsvollen Seminararbeit. Am besten beginnt man bereits im Oktober. Die Abgabefrist für die Schriftsätze liegt in der Regel Mitte Januar.

Im Anschluss daran beginnt die Phase der Vorbereitung auf die mündlichen Plädoyers. Dabei müssen sich die Teilnehmer darauf vorbereiten, alles für ihre Argumentation Wesentliche in kurzer Zeit vorzutragen und darüber hinaus noch auf bohrende Fragen der "Richter" höflich, bestimmt und umfassend zu antworten - alles, wie gesagt, auf englisch. Hier kommt es auf ein sicheres Auftreten und eine überzeugende Präsentation seines Wissens an.

Der Wettbewerb selbst findet in zwei Stufen statt: Am Ende des Wintersemesters findet die Deutschland-Ausscheidung statt, bei der die drei besten teilnehmenden Team ausgewählt werden, um als "deutsche Vertreter" an der internationalen Ausscheidung teilzunehmen. Bei der Bewertung kommt es maßgeblich auf die "mündlichen Noten" an (sie zählen 2/3 der Gesamtpunktzahl). Ohne gute Vorbereitung der Plädoyers läuft deshalb nicht viel! Die Ausscheidung ist für alle Beteiligten krönender Abschluss des Semesters. Sie dauert 3-4 Tage: dabei wird nicht nur plädiert, sondern es bietet sich auch reichlich Gelegenheit, um zu feiern, andere Teams kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Veranstalter ist traditionell (aber nicht notwendig) die Universität, welche die Deutschland-Ausscheidung im Vorjahr gewonnen hat.

Die internationale Endausscheidung wird im Rahmen des Jahrestreffens der American Society of International Law, meist Mitte März oder Anfang April, in Washington, DC, stattfinden. Den "deutschen Vertretern" gibt das Treffen Gelegenheit, die bedeutendsten Lehrer und Praktiker des Völkerrechts aus aller Welt "live" zu erleben.

 

Vorzüge von Moot Courts

 

Für Studenten bietet die Teilnahme an einem internationalen Moot Court - sei es der Philip C. Jessup Moot Court oder ein vergleichbarer Wettbewerb - eine Reihe von Vorzügen und einmaligen Chancen.

Die Teilnahme an einem Moot Court ist in dem doch recht theorielastigen Studium tatsächlich eine der wenigen Möglichkeiten, juristisches Wissen anzuwenden. In Hausarbeiten/Klausuren werden die Probleme immer nur nüchtern und abwägend dargestellt. Der Moot Court bietet die Möglichkeit, einmal einseitig für "seine" Partei einzutreten, man übt sich darin, Argumente logisch aufzubauen, die Argumente der anderen Teilnehmer auseinanderzunehmen, man reagiert höflich, aber bestimmt auf Fragen der Richter - kurzum: Die Vorbereitungsphase ist ein (kostenfreier) Intensivkurs in Rhetorik und Argumentationstechnik.

Der Jessup-Wettbewerb findet gänzlich in englischer Sprache statt. Man arbeitet daher englischsprachige Schriftsätze aus und hält auch seine Plädoyers in der fremden Sprache. Alles in allem belegt man somit einen fünfmonatigen Sprachkurs, der gerade im Hinblick auf Rechtsterminologie sehr gute Kenntnisse vermittelt.

Schriftsätze und Plädoyers werden von allen Teilnehmern eines Teams gemeinsam vorbereitet. Dabei ist es zwar selbstverständlich, dass die verschiedenen Teilnehmer unterschiedliche Sachgebiete bearbeiten; am Ende aber zählt einzig und allein die Gesamtleistung. Gleiches gilt für die mündlichen Plädoyers: Der schönste Preis für das "beste Plädoyer" ist praktisch wertlos, wenn das Team insgesamt nur mäßig abschneidet. TEAMARBEIT wird also bei Moot Courts sehr groß geschrieben. In dieser Hinsicht ist die Teilnahme nicht nur eine Bereicherung des Studiums, sondern auch eine Abwechslung im Vergleich zu dem Einzelkämpfer-Dasein, das man als Jura-Student sonst führt.

Alle weiteren Vorzüge seien nur noch kurz aufgezählt: Natürlich wirkt es gut, wenn man in Lebensläufen auf eine derart kreative Aktivität verweisen kann. Auch ist es sehr wohltuend, sich einmal über einen längeren Zeitraum einem juristischen Problem widmen zu können, ohne dass nach vier Wochen gleich Abgabe ist. Vor allem aber bietet die Teilnahme an einem Moot Court die Chance, dem regulären Trott des "normalen" Studiums für ein Semester zu entfliehen und etwas Neues kennenzulernen. Vielleicht lernt der eine oder die andere dabei ja sogar, dass die Jurisprudenz (zumindest während des Moot Courts) etwas sehr Lebendiges sein kann, und kehrt dann motiviert zum regulären Studium zurück.

 

Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an uns. Wir werden Ihnen gerne weiterhelfen.

 

Quelle: www.jessupmootcourt.de

 

Weitere Informationen zum Wettbewerb finden sich unter:

 

 

https://www.ilsa.org/jessuphome

 

Literatur: A. Bleckmann u.a., Moot-Court als Lehrveranstaltung: ein Erfahrungsbericht, JuS 1993, S.173-175.