5. Moot Court
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5TH INTERNATIONAL ROMAN LAW MOOT COURT & CONFERENCE 29. März - 2. April 2012 |
Tübinger Student drittbester Redner
Beim diesjährigen 5th International Roman Law Moot Court lieferten sich Teams aus acht europäischen Universitäten einen sicherlich einzigartigen Wettbewerb. Die je vier Teilnehmer der beteiligten Universitäten Oxford, Cambridge, Athen, Neapel, Liège, Wien, Trier und Tübingen traten jeweils zu zweit als Kläger- und Beklagtenvertreter auf. Dabei mussten sie vor einem Gericht, bestehend aus Professoren der beteiligten Universitäten – darunter Professor Dr. Thomas Finkenauer als Tübinger Vertreter des römischen Rechts –, in ihren Plädoyers nicht nur profundes Wissen im römischen Recht, sondern auch rhetorisches Geschick, souveränes Zeitmanagement, perfektes Auftreten vor Gericht und nicht zuletzt auch herausragende Englischkenntnisse unter Beweis stellen, da der gesamte Wettbewerb in englischer Sprache stattfand. Dass Englisch als Muttersprache dabei jedoch kein besonders großer Vorteil war, bewies die Verleihung der Preise für die drei besten Redner, die im würdigen Rahmen eines von Clifford Chance gesponsorten Galadinners im Luxushotel Imaret stattfand: Den dritten Platz aus 32 Rednern belegte der Tübinger Sebastian Schneider und musste sich dabei nur zwei Studenten aus Trier und Oxford geschlagen geben.
Den Gegenstand der Verhandlungen bildete der folgende Fall: Eine Gesellschaft von Waffenproduzenten geriet aufgrund von Luxusstreben, Fehlinvestitionen und der Flucht eines liebestollen Bankiers in finanzielle Schwierigkeiten und nahm auf Drängen eines nicht betroffenen Gesellschafters ein Darlehen zu horrenden Konditionen auf: 72 % Jahreszins und Verpfändung von Grundstücken dreier Gesellschafter, die zusammen doppelt so viel wert waren wie die Darlehensvaluta. Im Innenverhältnis verpflichteten sich die drei bedürftigen Gesellschafter, ihren Partnern deren Anteile an Zins und Tilgung jeweils im Voraus zu bezahlen. Was sie dabei freilich nicht wussten: Ihr socius hatte zuvor dem mit ihm befreundeten Darlehensgeber ein Darlehen über die gleiche Summe zu wesentlich besseren Konditionen gewährt und sich zudem ein Vorkaufsrecht bezüglich der Grundstücke einräumen lassen. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Gesellschafter konnten den Kredit nicht mehr bedienen, und die Grundstücke wurden für die Hälfte ihres Wertes an den erwähnten findigen Partner verkauft, der prompt auch eines der Grundstücke, einen Olivenhain, von einem Nachbarn abernten ließ.
An den Teilnehmern des Moot Courts lag es nun, eine condictio ob turpem vel iniustam causam wegen der von den drei Gesellschaftern an ihren Partner gezahlten Anteile und eine rei vindicatio bezüglich der abgeernteten Oliven argumentativ zu begründen oder Gründe vorzutragen, die gegen diese Ansprüche sprechen.
Das Tübinger Team, bestehend aus Ibrahim Altun, Matthias Lüdeking, Sophia Schick und Sebastian Schneider, trat nach achtwöchiger Vorbereitung und einigen Probeverhandlungen in der Vorrunde gegen die Teams aus Athen, Neapel und Liège an. Der Halbfinaleinzug wurde trotz guter Einzelleistungen leider äußerst knapp verpasst; umso mehr fieberte man mit den Kollegen aus Trier mit, die sich dann im Halbfinale und im Finale im antiken Forum von Philippi durchsetzen konnten und damit nach drei Jahren erneut siegten.
Abseits des eigentlichen Turniergeschehens konnten die Teilnehmer viel Positives in Kavala erfahren: Viele neue europaweite Freundschaften, die große Gastfreundschaft der griechischen Gastgeber, einen Eindruck von der ungeheuren Leistung der antiken griechischen Kultur für die europäische Zivilisation und die Erkenntnis, dass das römische Recht als Wurzel der kontinentalen Rechtskultur europaweit gelehrt und studiert wird und für den europäischen Einigungsprozess zunehmend wichtiger wird. Es bleibt zu hoffen, dass im nächsten Jahr an die Erfolge dieses Jahres angeknüpft und der Halbfinaleinzug erkämpft werden kann.
Ein herzlicher Dank geht an die Sponsoren des Tübinger Teams: Juristische Gesellschaft Tübingen e.V. - Förderverein der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen (Tübingen), Rechtsanwalt Dr. Werner Walk (Stuttgart), TRUMPF Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG (Ditzingen).
Bilder aus Griechenland gibt es hier.
Einen Rückblick auf den Moot Court 2011 gibt es hier.
Einen Rückblick auf den Moot Court 2010 gibt es hier.
Einen Rückblick auf den Moot Court 2009 gibt es hier.

