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Zukunftsperspektiven der Dienstleistung „Recht“ in einer digitalisierten Welt

Am Dienstag, 15. Mai 2018, lud die Juristische Gesellschaft zu einem Vortrag von RiOLG Florian Diekmann und RA Michael Friedmann über die Zukunftsperspektiven der Dienstleistung „Recht“ in einer digitalisierten Welt in die Neue Aula in Tübingen ein.

 

Zu Beginn begrüßte Prof. Hermann Reichold, Vorsitzender der Juristischen Gesellschaft e.V., alle Anwesenden. Das Vortragsthema sei insbesondere für die Studierenden als „digital natives“ wichtig.

Den Auftakt der Veranstaltung machte Florian Diekmann, Richter am OLG Stuttgart und Vertreter des Informations- und Kommunikationszentrums (IuKZ) Baden-Württembergs als zentrale Ausstattungsstelle für informationstechnologische Systeme aller baden-württembergischen Gerichte. Ziel des IuKZ sei die Digitalisierung sämtlicher Geschäfts- und Produktionsprozesse sowie deren Vernetzung. Als rechtliche Grundlage diene hierbei das Einführungsgesetz zur elektronischen Akte seit dem 5.7.2018. Recht als Dienstleistung? Was heißt Digitalisierung für den Rechtsstaat? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Referent im Rahmen seines Vortrags. Während im Strafprozess eine elektronische Aktenführung seit dem 1.1.2018 schon möglich sei, soll nun ab dem 1.1.2026 eine Nutzungspflicht der elektronischen Neuerungen in ganz Baden-Württemberg für alle Gerichtsbarkeiten und Rechtsbereiche gelten. Eine besondere Rolle spiele insbesondere die Elektronische Akte, welche im Auftrag des Bundes durch den Vorschlag Baden-Württembergs entwickelt wurde. Wichtig sei jedoch, dass der Zugang zum Recht trotz der Vernetzung und der Automatisierung einzelner Geschäftsmodelle weiterhin gewährleistet werde, so Diekmann.

Im Anschluss beschäftigte sich Michael Friedmann, Rechtsanwalt und Wirtschaftswissenschaftler aus Hannover sowie Mitglied der QNC-GmbH „The Legaltech Company“, mit der Frage nach der „Zukunft der Rechtsberatung – Digital oder Analog?“. Die Ausgangsprobleme dieser Frage seien der schlechte Zugang zum Recht, insbesondere im Hinblick auf die geringe Verfahrenszahl bei höherer Verfahrensdauer, sowie eine stetige Intransparenz und hohe Kosten. „All diese Probleme lassen sich durch Technologien lösen – 80 % der anwaltlichen Tätigkeiten können digitalisiert und automatisiert werden“, so Friedmann. Jedoch sei in Deutschland hinsichtlich der Thematik der Digitalisierung noch Einiges zu leisten. Erforderlich seien intelligente Expertensysteme, die Anwälte in ihrer Tätigkeit unterstützen, teilweise auch ersetzen: „Je weniger komplex die Aufgabe, desto eher ersetzbar“, so der Referent. Die Nachfrage nach juristischer Dienstleistung wachse und im Rahmen dieser Entwicklungen seien technologische Neuerungen nicht mehr wegzudenken. Dennoch solle beachtet werden, dass ein Anwalt aufgrund seiner emotionalen Intelligenz und Empathie unabdingbar sei. „Juristen bleiben nach wie vor das analoge Interface für den Mandanten“, so das Fazit.

Im Anschluss an eine Diskussion über die Zukunftsperspektiven der Dienstleistung „Recht“ in einer digitalisierten Welt schloss Prof. Reichold die Vortragsveranstaltung und dankte allen Anwesenden und den beiden Referenten. „Der Gedanke der digitalisierten Welt ist gedacht. Wir befinden uns in einer Entwicklung, die sich nicht mehr aufhalten lässt.“

 

Text: Emely Nann