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Tübinger Studentin zweitbeste Rednerin

Tübinger Team gelangt beim 3rd International Roman Law Moot Court in Griechenland bis ins Kleine Finale
Tübinger Studentin zweitbeste Rednerin

von links nach rechts: Prof. Dr. Finkenauer, Wetzler, Pfaffenrot, Ritter, Kohlhäufl

Fragwürdige Spekulationsgeschäfte zwischen zwei verfeindeten Brüdern, die sich gegenseitig in den Ruin treiben wollen, der eine tätig im Immobilienhandel, der andere im Sklavenhandel; Meinungsverschiedenheiten zwischen zwei Juraprofessoren über Rechtsfragen, die schließlich in - auch tätliche - Beleidigungen ausarten. Streikende Sklaven, die Kampflieder skandieren, so sie nicht Opfer der "Sklavengrippe" werden. Spielt die Geschichte auch in der lang vergangenen Antike, mutet einem mancher Aspekt doch merkwürdig vertraut an, und dies wird nicht nur mit dem Schauplatz Griechenland zusammenhängen, über den gerade häufiger als sonst etwas zu lesen ist. Dort, genauer im antiken Philippi, in der Nähe des heutigen Kavala, traten im März des Jahres acht europäische Teams von Jurastudenten an, um vor einem internationalen Richterkollegium, bestehend aus Rechtsprofessoren der beteiligten Universitäten, einen Fall aus dem Jahr 557 nach römischem Recht zu verhandeln.
 
Die vierköpfigen Teams aus Belgien, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien und Österreich hatten die Aufgabe, in wechselnden Zusammensetzungen jeweils Klage und Verteidigung in zwei Verfahrensteilen zu vertreten; einerseits klagte der Sklavenhändler gegen seinen Bruder auf Bezahlung von 500 Sklaven und foderte für diese einen Preis, der wegen der Spekulation weit über das Marktübliche gestiegen war; andererseits forderte einer der beiden Juraprofessor ein hohes Schmerzensgeld für die Verletzungen seiner Persönlichkeit, die er durch den Kollegen meinte erlitten zu haben.
 
Vor den Richtern, zu denen auch der Tübinger Vertreter des Römischen Rechts, Professor Dr. Thomas Finkenauer, gehörte, mußten die angehenden Juristen in ihren englischsprachigen Plädoyers nicht nur profunde Kenntnisse des römischen Rechts, sondern auch Schlagfertigkeit, rhetorischen Schliff, perfektes Auftreten vor Gericht und souveränes Zeitmanagement unter Beweis stellen. Eine kleine Sensation war es deshalb, daß die Tübinger Jurastudentin Theresa Kohlhäufl in der Einzelwertung im Kampf um den Preis für den besten Redner nicht nur alle Teilnehmer aus Liège, Neapel, Trier und Wien hinter sich ließ, sondern auch die Muttersprachler aus Oxford und Cambridge und am Ende nur ein Mitglied des Athener Teams an sich vorbeiziehen lassen musste. Das Tübinger Team, das daneben noch aus Julia Pfaffenrot, Sebastian Ritter und Cvetan Wetzler bestand, unterlag im Kleinen Finale äußerst knapp dem Team aus Oxford.
 
So würdig wie die Kulisse der beiden Finale – die Ruinen des antiken Philippi – war auch der Rahmen der Preisverleihung: ein Galadiner im Luxushotel IMARET, bei dem es sich der Bürgermeister von Kavala nicht nehmen ließ, die Sieger auszuzeichnen. Auf den Durchgang im nächsten Jahr darf man gespannt sein.

Zu den Fotos.