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„Staat – Kirche – Recht – Geschichte: Zum 90. Geburtstag eines außergewöhnlichen Gelehrten“

Am Freitag, dem 5. Juli 2019, fanden sich zahlreiche Gäste im Großen Senat der Neuen Aula in Tübingen ein, um im Rahmen eines Symposiums den 90. Geburtstag von Prof. Dr. iur. Dr. theol. h.c. Martin Heckel, zu feiern. Im Fokus stand dabei das Fachgebiet des Jubilars – das Kirchenrecht.

 

Zunächst begrüßte der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Jochen von Bernstorff, alle Anwesenden und gratulierte dem Jubilar, emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht und Kirchenrecht sowie kooptiertes Mitglied der dortigen Evangelisch-Theologischen Fakultät, zu seinem runden Geburtstag.

 

Im Anschluss bedankte sich Prof. Dr. Michael Droege bei seinem hochgeschätzten Kollegen für die Einladung zu diesem Symposium, dem der Jubilar insbesondere um des Faches willen zugestimmt hatte. Auch kleinere Fachgebiete wie das Kirchenrecht können große Gelehrte hervorbringen – Heckel sei hierfür das beste Beispiel. Das Kirchenrecht sehe sich derzeit neuen Herausforderungen gegenüber, hervorgerufen durch den gesellschaftlichen Wandel und die Erschütterung alt eingeführter Institutionen wie den großen Amtskirchen. In diesem Prozess spiele die Wissenschaft daher zur Bewältigung der neuen Herausforderungen eine umso entscheidendere Rolle, so Droege.

 

Anschließend betonte Prof. Dr. Felix Hammer bei seiner Laudatio auf den Jubilar die außergewöhnliche Leistung Heckels sowie seine Bedeutung als Jurist und Gelehrter:  Die Ehrung einer solch herausragenden Persönlichkeit komme dem Versuch gleich, die Gestalt eines Riesen aus der Perspektive eines Zwerges zu illustrieren. Heckel studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Rechtswissenschaft als Stipendiat der bayerischen Maximilianeums-Stiftung und absolvierte dort seine beiden Examina mit Auszeichnung. Nach seiner Promotion im Jahre 1955 und seiner Habilitation 1960 in Heidelberg nahm er im gleichen Jahr noch den Ruf an die Juristische Fakultät der Universität Tübingen als ordentlicher Professor für öffentliches Recht sowie Kirchenrecht an. Trotz der zahlreichen ehrenvollen Berufungen blieb er Tübingen bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1997 treu. Er sei nicht nur ein außerordentlicher Forscher und Praktiker, sondern ein ebenso geschätzter wie herausragender Lehrer des Rechts. So tauchten seine Erkenntnisse sowie sein juristisches Denken in unzähligen Werken seiner Schüler auf. Hammer schloss seine Laudatio mit Glückwünschen an den Jubilar – nicht nur zu seinem Geburtstag, sondern auch zu seinem außergewöhnlichen Lebenswerk: „Wir hoffen und freuen uns auf viele weitere bereichernde Werke!"

 

Den wissenschaftlichen Festvortrag hielt Prof. Dr. Michael Germann (Universität Halle-Wittenberg) zu einem Thema, so schwer es auch zu finden war, so Germann, mit dem sich selbst Martin Heckel noch nicht eingehender befasst hatte. Gegenstand des Vortrages war die Rechtsstellung von Kindern im Kirchenrecht. Er nahm einige aktuelle Entwicklungen zur rechtlichen Partizipation junger Menschen in der Kirche in den Blick, nach ihren Motiven gefragt, Maßstäbe zu ihrer kirchenrechtsdogmatischen Beurteilung erarbeitet und die Bedeutung der kirchlichen Rechtsfähigkeit und der kirchenrechtlichen Handlungsfähigkeit von Kindern erörtert. Hierbei nahm er auf einige zentrale Thesen aus dem Werk Martin Heckels zu Zweck und Wesen des evangelischen Kirchenrechts Bezug. Zu Wort kamen auch Luthers Begründung der Kindertaufe und seine vielzitierte Rückbindung des Kirchenbegriffs an das, was "ein Kind von sieben Jahren" von der Kirche weiß. So wachse das Anliegen der Partizipation junger Menschen in der Kirche zunehmend. Dabei stelle sich unter anderem die grundlegende Frage, in welchem kirchlichen Kontext jeweils eine Person als „jung“ gelte. Die menschliche Vernunft und Reife seien zentrale Aspekte bei der Beantwortung dieser Frage. Festzustellen sei ein Trend, die Altersgrenzen in der Kirche nach unten zu verschieben: „Junge Leute sollen in der Kirche mehr zu sagen haben“, so der Referent.

 

Die Schlussworte gebührten dem Jubilar Prof. Martin Heckel, welcher seine tiefe Dankbarkeit nicht nur gegenüber allen Referenten sowie Gästen äußerte, sondern auch gegenüber seiner traditionsreichen Fakultät, der er seit nunmehr sechs Jahrzehnten angehöre.

 

Vielen Dank, Herr Heckel, Sie haben Großartiges für unsere Universität und die Wissenschaft geleistet!