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Examensfeier mit Ausblicken auf die „Algorithmokratie“

Professor Flechsig referierte im Festsaal zum „Urheberrecht im Wandel der Zeit“

 

Am 25. Juli 2018 wurden im Rahmen der Examensfeier der Juristischen Fakultät und des Landesjustizprüfungsamtes die Zeugnisse an die AbsolventInnen der Ersten juristischen Staatsprüfung und die Teilnehmer des LL.M.-Studiengangs überreicht.


Nach einer musikalischen Einleitung durch das Klarinetten-Duo Viola Bürckund Antonia Pfirrmann begrüßte der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof.StefanThomas, die in großer Zahl erschienenen Besucher. Er beglückwünschte alle AbsolventInnen der vergangenen Examenskampagne, die von nun an keine Studierenden, sondern Rechtsreferendarinnen und –referendare seien. Sicher sei, so Thomas, dass die Studierzeit zumindest an dieser Fakultät nun vorüber sei. Dennoch höre die Notwendigkeit, Fragen zu stellen, nie auf. In Wahrheit sei sie die einzige Währung, die zähle. Er appellierte an die AbsolventInnen, auch nach abgeschlossenem Studium der Versuchung zu widerstehen, genau zu wissen, was richtig und was falsch sei. „Fragt man die Juristen, so fängt der Streit doch erst an“, so der Dekan. Es gebe keine reine richterliche Wahrheit. Das Recht sei eine Projektionsfläche, die sowohl eigene Wünsche, Erfahrungen als auch persönliche Überzeugungen beinhalte. So sei die eigene Meinung nichts wert, solange man der seines Gegenübers nicht mit Respekt entgegentrete und man ihn mit ihr nicht zu überzeugen vermag.

 

Auch die Präsidentin des Landesjustizprüfungsamtes, Sintje Leßner, gratulierte den AbsolventInnen zu ihrem bestandenen Examen. Die Weltmeisterschaft in Russland sei nun vorbei und präsent seien die Bilder jubelnder Fußballspieler – wenn auch nicht die der deutschen Spieler. Ein ähnlicher Freudentaumel sei auch jetzt bei den frisch gebackenen RechtsreferendarInnen zu erwarten, denn schließlich hätten sie dieses Turnier in Gestalt der Ersten juristischen Staatsprüfung erfolgreich gemeistert. Nach der Qualifikation, dem erfolgreichen Bestehen aller Scheine, folgte das Trainingslager: die Vorbereitung auf die anstehenden sechs Klausuren mit Hilfe von Karteikarten, Übungsfällen und Klausuren, der Anpfiff ihrer Meisterschaft. Auch im Finale des Turniers, der mündlichen Prüfung, bewiesen die AbsolventInnen Durchhaltevermögen und zeigten ihr Können – mit Erfolg. Einen großen Beitrag hierfür leistete auch der

persönliche Betreuerstab, bestehend aus den ProfessorInnen und den DozentInnen, die den ehemaligen Studierenden das nötige juristische Handwerkszeug beibrachten. Nicht zu vergessen seien aber auch die Eltern sowie die Freunde, die durch ihre psychische, aber auch finanzielle Unterstützung einen großen Beitrag zum Erfolg leisteten. „Aber nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, so Leßner. So sei die Zeit des Referendariats für viele entscheidend für ihren persönlichen Werdegang und stelle einen neuen lehrreichen Abschnitt dar mit Fällen, die nicht das Lehrbuch schreibe, sondern das Leben. Leßner wünschte allen RechtsreferendarInnen alles Gute für den neuen Lebensabschnitt voller Chancen und wertvollen Erfahrungen und versprach, dass das Prüfungsamt jeden hierbei nach besten Kräften unterstützen und begleiten werde.

 

Es folgte sodann der Festvortrag des Tübinger Honorarprofessors Dr. Norbert P. Flechsig zum Thema „Das Urheberrecht im Wandel der Zeit“. Das Thema dieses Festvortrags zeige die Notwendigkeit der Veränderung und Anpassung des Schutzes des Geistigen Eigentums in der Zukunft am Beispiel immaterialgüterrechtlicher Inhalte auf. Die Digitalisierung biete viele Potenziale, um schneller und effizienter zu arbeiten. Sie biete gleichzeitig aber auch Gefahren und Irrtümer. „Schaut man täglich in die Zeitung, dann ist diese voll von Fragen nach dem Inhalt und den Grenzen des Geistigen Eigentums, wozu aktuell der Datenschutz als Inhalt des immateriellen wie materiellen Menschenrechtsschutzes besonders zählt“, so der Referent. Die vorstehend geschilderten aktuellen Fragen zum Rechtsschutz des geistigen Eigentums wie desjenigen der Privatsphäre seien ein Indiz dafür, dass die sich immer schneller verändernde Welt der Digitalität unsere Lebens- und Arbeitswelt mehr und mehr präge. Die Beherrschung unseres alltäglichen Lebens durch Algorithmen könne prägnant mit dem Begriff der „Algorithmokratie“ bezeichnet werden. So genannte “künstliche Intelligenz” und “Smart-Home-Apps” erledigten inzwischen viele Dinge schneller, besser und zuverlässiger als der Mensch.

Daraus ergäben sich vielfältige Fragen, die noch der sorgfältigen individuellen und gesellschaftspolitischen Analyse bedürften. Welche Kompetenzen undSteuerungsansätze müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln? Wie können wir den weiteren technischen Fortschritt aktiv und verantwortlich gestalten, um nicht der „Algorithmokratie“anheim zu fallen? Seine Festrede schloss Flechsig mit einem Glückwunsch zum erfolgreichen Bestehen der Ersten juristischen Staatsprüfung. „Wann immer Sie in Zukunft mit den angerissenen Problemen des Rechtsschutzes des Geistigen Eigentums wie der Persönlichkeit im Lichte der Digitalität und ihrer Gefahr der Algorithmokratie in Berührung kommen, mögen Sie sich Ihres Studiums im hiesigen Hause erinnern und glücklich sein, kenntnisreich und verantwortungsvoll im Wissen mitdenken und mithandeln zu dürfen.“

 

Auch Studierendensprecher Jonathan Kamzelak beglückwünschte alle Absolventinnen und Absolventen. „Das Examen ist nicht nur ein großer Erfolg für euch alle, sondern markiert für viele von euch auch das Ende eines Lebensabschnitts hier in Tübingen“, so Kamzelak. Er betonte, dass zumindest am

heutigen Tage ein weit verbreitetes Klischee über Studierende der Rechtswissenschaften zutreffe: Jurastudenten tragen in der Uni Anzug. In seiner Rede erinnerte Kamzelak an den Beginn der Studierzeit im ersten Semester, das sich aus Sicht des späteren Studiums oftmals durch das Merkmal der Ahnungslosigkeit kennzeichne. Doch diese verflüchtige sich - schneller, als einem manchmal lieb ist - bald und zum Ende des Studiums erfüllten die allermeisten Studierenden doch mehr als nur ein typisches Jurastudenten-Klischee: sei es, dass man juristische Laien akribisch an die Unterscheidung zwischen Besitz und Eigentum erinnere oder jede zweite Frage mit „Das kommt darauf an“ beantworte. Als Studierendensprecher und Fachschaftsmitglied bedankte sich Kamzelak zudem bei allen AbsolventInnen, die sich selbst während ihres Studiums in einer der beiden Fachschaften engagiert und hierdurch andere Studierende auf deren Weg zum Examen begleitet und unterstützt hätten.

 

Prof. Dr. Martin Gebauer, LL.M.-Beauftragter der Juristischen Fakultät, überreichte sodann die Magister-Urkunden an die erfolgreichen AbsolventenInnen des LL.M.-Programms. Abschließend bekamen die frisch gebackenen ReferendarInnen von Dekan Thomas und Präsidentin Leßner ihre Examenszeugnisse überreicht.

 

Nach dem offiziellen Festakt bot sich für alle Besucher die Möglichkeit, gemeinsam bei einem durch das Dekanat und die Fachschaften organisierten Sektempfang sowie am Abend beim Examensball der Unabhängigen Liste Fachschaft (ULF) diesen besonderen Anlass gebührend zu feiern.

 

Bericht: Emely Nann