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„Er kommt daher, wo man hin möchte“

Symposium aus Anlass des 80. Geburtstags von Professor Harm Peter Westermann

 

Am Freitag, dem 26. Januar 2018, fand zur Feier des 80. Geburtstags von Prof. Harm Peter Westermann ein Symposium im Großen Senat der Neuen Aula in Tübingen statt. Organisiert wurde es von den Professoren Barbara Grunewald, Tobias Tröger, Walter G. Paefgen und Rüdiger Wilhelmi.

Zu Beginn begrüßte der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Stefan Thomas, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Westermann sei nicht nur eine herausragende Wissenschaftlerpersönlichkeit, auch als Zivilrechtslehrer habe er Generationen von Studierenden und Doktorandinnen und Doktoranden geprägt. Die Verbindung von tiefen Kenntnissen der Grundprinzipien des Rechts kennzeichne das Werk Westermanns, wodurch er sich von schnelllebigen Forschungstrends und immer stärkerer Zersplitterung in Nischenfächern abgrenze. Thomas zitierte den Tübinger Kollegen Heinz-Dieter Assmann aus einer früheren Rede zum 70. Geburtstag mit den Worten: „Was die Propheten für die Christen, ist Westermann für die Juristen.“

Anschließend betonte der Westermann-Schüler Prof. Tobias Tröger, LL.M. (Harvard), der eine Professur an der Goethe Universität Frankfurt/M. inne hat, bei seiner Laudatio auf den Jubilar, dass dieser als akademischer Lehrer auf höchstem wissenschaftlichen Niveau die Verknüpfung von Praxis, Wissenschaft und Lehre – auch über die Grenzen Deutschlands hinaus – in idealer Weise verkörpert habe und noch verkörpere. „Er kommt daher, wo man hin möchte“, so Tröger über seinen Lehrer.

Zum Auftakt des fachlichen Teils des Symposiums referierte dann Prof. Karsten Schmidt (Bucerius Law School, Hamburg) zum Thema „Schiedsklauseln in Personengesellschaftsverträgen“ und bezog sich zunächst auf das Urteil „Schiedsfähigkeit III“ des ersten Zivilsenats des BGH vom 6.4.2017 (DB 2017, 1138 = NZG 2017, 657 = ZIP 2017, 1024). Er analysierte in diesem Licht auch die vorausgehende Judikatur und kam zu einem kritischen Zwischenergebnis. Schmidt wies auf die Notwendigkeit hin, zwischen der Schiedsfähigkeit von Beschlussmängelklagen einerseits und den Voraussetzungen wirksamer Schiedsklauseln/Schiedsvereinbarungen für Beschlussmängelstreitigkeiten andererseits, zu unterscheiden. Die von Prof. Schmidt entwickelten Thesen zu Schiedsklauseln wurden anschließend diskutiert. Mit den Schiedsklauseln war das Symposium also zu einem Thema eröffnet worden, in dem der Jubilar in besonderer Weise fachlich ausgewiesen ist.

An eine umfassende Diskussionsrunde zu dem Referatsthema Schmidts und eine kurze Kaffeepause schloss sich ein Vortrag von Prof. Mathias Habersack (LMU München) über „Die Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung im Lichte der Aktionärsrechterichtlinie“ an, welcher sich mit Grundsatz- und Anwendungsfragen befasste. So sei die Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung als ein rechtspolitisches, aber auch gesellschaftspolitisches Problem zu werten, wobei der Principal-Agent-Konflikt ein Kern des Problems darstelle. Im Rahmen der sich anschließenden Diskussion wurden unterschiedliche Fragen diskutiert. Es ging etwa um die konkrete Ausgestaltung von Vergütungsmodellen oder das Setzen sinnvoller Verhaltensanreize. Auch wurde über mögliche Ursachen der Vergütungsentwicklungen gesprochen. Prof. Habersack vertrat hierbei den Standpunkt, dass neben den rein rechtlichen Erwägungen auch die gesellschaftliche Verantwortung eine wichtige Rolle spiele.

Es folgte ein Referat von Rechtsanwalt Prof. Jochem Reichert (Kanzlei Schilling, Zutt & Anschütz) zu dem Thema „Die Treuebindung der Aktionärsmehrheit in Sanierungsfällen“ aus der Perspektive eines Praktikers. „Das Thema der Treuebindung der Aktionärsmehrheit in Sanierungsfällen ist zwar eines mit hoher Praxisrelevanz, dennoch muss die Wissenschaft als eine Stütze der Praxis, insbesondere in Problemfällen, bewertet werden“, so der Referent. Anhand eines konkreten Falls aus der Praxis zeichnete Reichert die Problematik auf. Er machte deutlich, dass die Entscheider ex ante oft vor großen Prognoseschwierigkeiten stünden. Es wurde ersichtlich, dass die Auslegung des Rechts hier in besonderer Weise den Sachzwängen Rechnung tragen muss. In der Diskussion wurde verschiedenen Fragen nachgegangen, so etwa der nach der Rationalität in bestimmten Entscheidungssituationen. Insoweit wurde auf ökonomische Studien zu Entscheidungsverhalten verwiesen. Auch angrenzende Fragen des Insolvenzrechts wurden vertieft.

Die letzten Worte gebührten dem Jubilar Prof. Harm Peter Westermann, welcher zunächst seinen Dank gegenüber allen Referenten und Diskussionsteilnehmern und –teilnehmerinnen äußerte. Ein so anspruchsvolles Symposium mit hochstehenden Vorträgen zeige allen Anwesenden die Perspektive der Leistungsfähigkeit juristischer Dogmatik auf und spiegele das Bewusstsein der Referenten zu den Grenzen juristischer Rationalität wider. „Die ,Juristerei’ kann in keiner Weise isoliert betrachtet werden, vielmehr setzt sie sich aus der Rechtsdogmatik, der Theorie, der Praxis und der menschlichen Ideologie zusammen“, so Westermann.

In einem sich anschließenden Empfang im Kleinen Senat der Neuen Aula hatten alle Anwesenden die Möglichkeit, bei einem Glas Pfälzer Wein und Häppchen den denkwürdigen Nachmittag und die informationsreichen Referate Revue passieren zu lassen.

 

Text & Fotos: Emely Nann