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4. International Roman Law Moot Court

Junges Tübinger Team scheitert knapp in der Vorrunde

Enttäuschte kulinarische und geschäftliche Erwartungen eines reichen Getreidehändlers aus Alexandria, der mit seinem Sklaven nach Konstantinopel reiste, um eine Gesellschaft zu gründen, den Rückweg aber ohne Gesellschaft und ohne Sklaven antreten musste; ein gefeierter Chefkoch, der aus Verzweiflung über fehlende Zutaten Selbstmord begeht; zwei britische Sklaven, die an Stelle des Chefkochs ein grauenerregendes britisches Dinner zubereiten und damit einem katastrophal verlaufenen Abend noch die Spitze geben und zudem einen Sklaven vergiften, der seinem Leid im Krankenhaus schließlich selbst ein Ende setzt; und im Mittelpunkt eine reiche Frau, deren Schönheit sogar den Kaiser verzauberte: Was geradezu wie der Inhalt eines Theaterstücks klingt, bildete den Stoff, mit dem sich die Teilnehmer des vierten International Roman Law Moot Court befassen mussten.

Die jeweils vierköpfigen Teams aus Athen, Cambridge, Liège, Neapel, Oxford, Trier, Tübingen und Wien traten zunächst in Vorrunden abwechselnd als Kläger- und als Beklagtenvertreter auf. Sie versuchten, in ihren auf Englisch gehaltenen Plädoyers das Gericht - dieses bestand bei jeder Verhandlung aus drei Professoren der beteiligten rechtswissenschaftlichen Fakultäten, die Tübinger Fakultät vertrat Professor Dr. Thomas Finkenauer - von ihrer Rechtsauffassung zu überzeugen.

Kläger wie Beklagte wurden jeweils von zwei Anwälten vertreten: Einem senior counsel für den Anspruch auf Rückgabe der Geschenke, die der Geschäftsmann der Frau gemacht hatte, die er aber nach dem desaströsen Verlauf des Abendessens zurückhaben wollte, und einem junior counsel für den Schadensersatzanspruch wegen der Behandlungskosten und des Todes des Sklaven, der beim Dinner tödliche Pilze gegessen hatte und später im Krankenhaus Selbstmord beging.

Dabei waren nicht nur fundierte Kenntnisse des römischen Rechts (der Fall spielte im Jahre des Herrn 546), sondern auch rhetorische Fähigkeiten, Schlagfertigkeit, souveränes Zeitmanagement und tadelloses Verhalten vor Gericht gefragt.

Da mit Ausnahme des römischen Rechts all diese Fähigkeiten nicht im gewöhnlichen Universitätsbetrieb vermittelt werden, begann das Tübinger Team bereits Anfang Februar mit der Vorbereitung. Dies war umso mehr erforderlich, als das diesjährige Team den jüngsten Altersdurchschnitt aller bisherigen Tübinger Teams aufwies.

Der guten Vorbereitung zum Trotz konnte das Team den Halbfinaleinzug nicht erkämpfen: Zwar hielten alle Teammitglieder gute Plädoyers; nur reichte die Gesamtpunktzahl, wenn auch sehr knapp, nicht aus. So durfte das Team bei kleinem und großem Finale in den großartigen Ruinen des antiken Phillipi und bei der Preisverleihung im Rahmen eines Galadinners im IMARET- Hotel nur zuschauen und musste sich letztlich mit einem fünften Platz begnügen.

Doch dessen ungeachtet haben die Tübinger Teilnehmer viel Positives aus Kavala mitgenommen: Viele Freundschaften wurden unter den Teilnehmern geschlossen; große Gastfreundschaft konnte trotz Finanzkrise erfahren werden; schließlich nahmen sie auch die Erkenntnis mit, dass das römische Recht europaweit gelehrt und studiert wird, lebendig und für den Austausch auf europäischer Ebene wichtig ist.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Roman Law Moot Court auch in Zukunft trotz der gegenwärtigen Probleme in Griechenland stattfinden kann und dass Tübingen im nächsten Jahr wieder um den Finaleinzug kämpfen wird.

Ein herzlicher Dank geht an die Sponsoren des Tübinger Teams: TRUMPF Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG (Ditzingen), Rechtsanwalt Dr. Werner Walk (Stuttgart), Dr. Kroll & Partner, Rechtsanwälte und Notar (Reutlingen).