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Verleihung der Ehrendoktorwürde an Professor Dr. Shigeo Nishimura

Am 29. April 2011 verlieh die Juristische Fakultät Herrn Professor Dr. Shigeo Nishimura aus Fukuoka in Anerkennung seiner Forschungsleistungen auf dem Gebiet des römischen Rechts und seiner vermittelnden Tätigkeit zwischen europäischer und ostasiatischer Rechtswissenschaft ehrenhalber die Würde eines Doktors der Rechte.
Verleihung der Ehrendoktorwürde an Professor Dr. Shigeo Nishimura

Professor Shigeo Nishimura

 

Nachdem die Professoren der Juristischen Fakultät in vollem Ornat in den Großen Senat eingezogen waren, begrüßte die Dekanin, Frau Professor Barbara Remmert, den zu Ehrenden und die zahlreich erschienenen Gäste.

Sie drückte ihre Freude darüber aus, dass der Festakt trotz der Katastrophe in Japan stattfinden konnte, und betonte, dass sich die Fähigkeiten des japanischen Volkes im Umgang mit der Situation auch darin spiegeln würden.

Professor Remmert hob den hohen Stellenwert der Ehrendoktorwürde hervor, der sich schon darin zeige, dass die letzte Verleihung dieses Ehrentitels über sieben Jahre zurückliegt.

In seiner Laudatio schilderte Professor Gottfried Schiemann zunächst die Möglichkeit, mithilfe des römischen Rechts Brücken zwischen den Rechtsordnungen zu schlagen, um sodann die Adaption dieses Rechtsgebiets in der Phase der Rechtsmodernisierung am Ende des 19. Jahrhunderts in Japan darzustellen.

Als Verkörperung dieser Tradition in der Gegenwart bezeichnete er Shigeo Nishimura, dessen Einbindung in die europäische und besonders die deutsche wissenschaftliche Diskussion über das römische Recht er anhand von Beispielen belegte.

Neben den äußeren Daten des Lebens des zu Ehrenden berichtete Professor Schiemann von dessen wissenschaftlichen Leistungen, deren Schwerpunkt in der Exegese von Texten des römischen Privatrechts liegt. Römisches Recht sei für diesen etwas Lebendiges, etwas, für das er nicht nur, sondern in dem er auch lebt. Er betonte daneben die Leistungen von Shigeo Nishimura als Wissenschaftsorganisator, der den Austausch zwischen der europäischen und japanischen Rechtswissenschaft durch eine Vielzahl von Kongressen und Symposien erst ermöglicht habe.

Nach Verlesung des Urkundenwortlautes übergab Professor Remmert Shigeo Nishimura die Promotionsurkunde. Als Erinnerung an die Juristische Fakultät erhielt er zudem ein Faksimile des Sigels der Fakultät, welches diese seit 1482 führt.

Zu Beginn seines sich anschließenden Vortrages bedankte sich Shigeo Nishimura für die Unterstützung Europas bei der Bewältigung der Katastrophe in Japan und sprach seine Hoffnung auf eine baldige Sicherung der beschädigten Atomkraftwerke aus.

Als Vortragsthema hatte Shigeo Nishimura die "Rezeption europäischen Rechts im Spiegel der Bibliotheken deutscher Professoren in Japan" gewählt. Seitdem er als Doktorand mit einem Werk Theodor Mommsens gearbeitet hatte, welches aus der Bibliothek Andreas von Tuhrs stammte, seien die Bücher aus den Bibliotheken deutscher Gelehrter ständiger Begleiter seiner wissenschaftlichen Arbeit gewesen.

Anhand einer Auswahl deutscher Rechtsgelehrter stellte er die beeindruckende Zahl komplett erworbener Privatbibliotheken dar. Ursache für die Notwendigkeit dieses Literaturimports sah er in der geographischen Lage Japans und in dem bis vor 250 Jahren geltenden Verbot des Kontakts mit Ausländern. Nach dessen Aufhebung 1868 habe ab 1881 eine starke politische Ausrichtung auf Deutschland und insbesondere Preussen eingesetzt. Man habe dabei versucht, alles, also auch die zehn kaiserlichen Universitäten, nach deutschem Vorbild auszurichten.

Nach dem Ersten Weltkrieg habe die wirtschaftliche Lage in Deutschland den Erwerb ganzer Bibliotheken erleichtert. Möglich sei dies aber nur aufgrund der Spenden reicher Alumni gewesen. Der Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg habe die privaten Universitäten reich gemacht und so den Ankauf ermöglicht.

Den Ankauf von Bibliotheken habe es in allen Fachbereichen gegeben. In Jura seien quer durch alle Rechtsgebiete solche Erwerbe forciert worden.

Shigeo Nishimura schilderte auch die bürokratischen und bibliothekarischen Schwierigkeiten beim Erwerb solcher Bibliotheken. Immer bestehe hier der Konflikt zwischen der Möglichkeit der leichten Nutzung und der Erhaltung der Bücher. Er bezeichnete die Gelehrtenbibliotheken als nationalen Kulturschatz, der eigentlich in seinem Herkunftsland verbleiben solle. Wo dies nicht möglich sei, habe aber die Erhaltung dieses Gutes höchste Priorität.

Sichtlich bewegt bedankte sich Shigeo Nishimura abschließend für die ihm zuteil gewordene Ehre.

Der Festakt klang dann mit einem Umtrunk im Kleinen Senat aus.

 

Weitere Bilder von der Veranstaltung finden Sie hier.