Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sie sind hier: Startseite / Fakultät / Nachrichten der Fakultät / Juristenteam der Universität Tübingen in Hong Kong erfolgreich
Fakultät
« Dezember 2017 »
Dezember
MoDiMiDoFrSaSo
123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Juristenteam der Universität Tübingen in Hong Kong erfolgreich

 

 

Nach den Erfolgen im letzten Jahr gelang dem Team unserer Fakultät beim diesjährigen Willem C. Vis Arbitration Moot Court in Hong Kong erstmals der Einzug in die Finals. Darüber hinaus wurde der Beklagtenschriftsatz und einer unserer Sprecher ausgezeichnet.

 

 

 

Von links nach rechts: Michel Boven (Coach), Philip Retzbach (Coach), Pia Streicher (Coach), Friedrich Weyland, Florian Grießer, Luisa Slezak, Justus Massion, William Euler (Team München), Theresa Schneck (Coach). Vordere Reihe: Jonas Heck und Yasmin Binder.

 

Der Vis Moot Court zählt mit über 300 teilnehmenden Universitäten zu den größten und prestigeträchtigsten studentischen Wettbewerben weltweit. Einer schriftlichen Phase, in welcher die Teams in der Rolle des Klägers als auch des Beklagten einen Schriftsatz verfassen müssen, schließt sich nach umfassenden Vorbereitungsveranstaltungen die mündliche Phase in Hong Kong und Wien an, in welcher die Teams die jeweiligen Standpunkte verteidigen müssen.

 

Der Sachverhalt

 

Auch der 23. Vis Moot Court bewegte sich sachlich im Schiedsverfahrens- und UN-Kaufrecht (CISG). Der Sachverhalt ist in einer rund 60 Seiten umfassenden Akte enthalten und lässt sich in diesem Jahr wie folgt zusammenfassen: Die klagende Gesellschaft vereinbarte mit der Beklagten einen Rahmenvertrag über die Lieferung einer exklusiven Weinsorte. Es wurde vereinbart, dass die Klägerin in jedem Jahr bis zu 10.000 Flaschen des besonderen Weines bestellen könne. Der Rahmenvertrag enthielt eine Schiedsklausel, wonach alle Streitigkeiten vor einem privaten Schiedsgericht beigelegt werden sollten. Getroffen von einer sehr schlechten Ernte wollte die Beklagte diesem Versprechen nicht nachkommen und vereinbarte mit vielen ihrer Kunden eine Pro-Rata-Regelung. Die Klägerin bestand hingegen auf die Lieferung von 10.000 Flaschen Wein und erwirkte eine einstweilige Verfügung vor dem zuständigen staatlichen Gericht, um die Lieferung der 10.000 Flaschen zu sichern. Auch sah sich die Klägerin finanziell derart in Bedrängnis, dass sie mit der sie vertretenden Anwaltskanzlei eine Honorarvereinbarung traf. Die Beklagte zweifelte an der Wirksamkeit der Schiedsvereinbarung und erhob daraufhin erfolglos negative Feststellungsklage vor einem staatlichen Gericht. Die Klägerin machte letztlich im Rahmen eines daraufhin eingeleiteten Schiedsverfahrens geltend, dass die Beklagte die in den Gerichtsverfahren entstandenen Gerichts- und Anwaltskosten nach dem UN-Kaufrecht zu ersetzen habe. Ferner habe die Beklagte den Schaden zu ersetzen, welcher durch die Nichtlieferung der geforderten Flaschen entstanden sei. In diesem Zusammenhang forderte die Klägerin den Gewinn der Beklagten heraus, welchen diese mit der Lieferung von Flaschen an einen Konkurrenten erzielen konnte.

Die schriftliche Phase

 

In der schriftlichen Phase traf unser Team auf die George Washington University und die Symbiosis Law School Pune, gegen welche unser Team jeweils das Memorandum for Respondent zu verfassen hatte. In diesem Jahr ist es unserer Fakultät erstmals gelungen, in Hong Kong bereits in der schriftlichen Phase eine Auszeichnung zu erlangen. Dort wurde unser Beklagtenschriftsatz gegen die Symbiosis Law School Pune mit der „Honorable Mention for Best Memorandum on behalf of Respondent“ ausgezeichnet.

 

 

Die mündliche Phase

 

Auch dieses Jahr war geprägt von einer anhaltenden Professionalisierung des Wettbewerbs, welche sich insbesondere in den größer werdenden Vorbereitungsveranstaltungen und dem hohen Niveao niederschlägt, auf welchem bereits die Probeverhandlungen geführt werden. Es zeigte sich erneut, dass die Teams ohne die Teilnahme an den Vorbereitungsveranstaltungen auch bedingt durch die Größe des Wettbewerbs nicht mehr wettbewerbsfähig sein können. In der Vorbereitung auf die mündlichen Verhandlungen konnte unser Team in diesem Jahr für Probeverhandlungen zunächst in die Städte Stuttgart, Köln, Düsseldorf und Frankfurt reisen. Tradition in Tübingen hat auch die Teilnahme an den "Pre-Moots" in München und Hannover. Der Pre-Moot in Hannover beispielsweise zählte mit insgesamt 30 teilnehmenden Teams auch in diesem Jahr zu einer der wichtigsten Vorbereitungsveranstaltungen für die mündlichen Verhandlungen.

 

Bedingt durch das in diesem Jahr früh gelegene Ostern wurden die mündlichen Verhandlungen rund zwei Wochen früher als im vergangenen Jahr ausgetragen. Am 3. März reiste unser Team daher bereits für die mündlichen Verhandlungen nach Hong Kong. In Hong Kong haben in diesem Jahr verbunden mit einem Teilnehmerrekord insgesamt 115 Teams, 300 Schiedsrichter und 1200 Studenten am Vis Moot Court teilgenommen. Am ersten Verhandlungstag in Hong Kong traf unser Team in den „General Rounds“ zunächst auf unseren Schriftsatzgegner, die Symbiosis Law School Pune (erneut in der Rolle des Respondent). Mit jeweils einem Pleading pro Tag trafen wir anschließend zwei Mal in Folge in der Rolle des Claimant auf die University of Malaya und die Universidad Pontifica Comillas und letztlich nochmals in der Rolle des Respondent auf die Universitas Padjadjaran.

 

Den Vorrunden schloss sich im Rahmen der sogenannten „Assembly“ die Bekanntgabe der „Best of 32“ und somit der Teams an, welche gemessen an den Punkten in den Vorrunden zu den besten 32 aller teilnehmenden Teams gehören. Neben der Teilnehmerzahl sollte in diesem Jahr ein zweites historisches Ereignis eintreten: ein three-way tie auf Platz 31. In diesem Fall entscheidet das Losverfahren welches der drei punktgleichen Finalisten die Chance erhält weiter um den Aufstieg zu kämpfen. Dies war bedingt durch die ungerade Anzahl an Teams in den sich den Vorrunden anschließenden Finals.

 

 

Das Team unserer Fakultät zusammen mit den Teams der Universität Freiburg, München und der FU Berlin im Vis Centre Hong Kong

 

 

In diesem Jahr erreichte unser Team erstmals in Hong Kong die Finals. Leider war dieser Erfolg für unser Team mit dem Losverfahren verbunden. Die Universität Tübingen stand nach den Vorrunden zusammen mit der University of Helsinki und der Universität Freiburg punktgleich auf Platz 31. Im Rahmen der Bekanntgabe wurden demnach die Coaches auf die Bühne gebeten um das Team zu finden, welches an den kommenden Tagen nicht mehr an den Finals teilnehmen sollte. Leider zog unser Team das kürzeste der von Veranstalterin Luise Barrington vorbereiteten Trinkhalme. Für unser Team war damit die weitere Teilnahme am Wettbewerb im Hong Kong nicht mehr möglich.

 

Am 16. März reiste unser Team daraufhin zu den mündlichen Verhandlungen nach Wien. Auch Wien hatte mit mehr als 300 teilnehmenden Teams einen historischen Teilnehmerrekord zu verzeichnen. Unser Team traf als Respondent zunächst auf unseren zweiten Schriftsatzgegner, die George Washington University. Anschließend verhandelte unser Team gegen das Centre of Transnational Legal Studies aus Sicht des Claimant. Es folgten Verhandlungen gegen die Federal University of Minas Gerais und die Université Saint-Joseph de Beyrouth. Leider ist es unserem Team nicht gelungen auch in Wien die Finals zu erreichen. Im Rahmen der Bekanntgabe des Gesamtsiegers (University of Buenos Aires) wurde einer unserer Sprecher Justus Massion hingegen als einer der besten von rund 3300 teilnehmenden Studierenden ausgezeichnet.

 

Reise auch du nach Hong Kong und Wien!

 

Auch im nächsten Jahr wird unsere Fakultät jedoch wieder mit einem Team an hochmotivierten Studierenden an dem immer größer werdenden Wettbewerb teilnehmen. Hierfür suchen wir noch interessierte Studenten unserer Fakultät! Teilnehmen können Studenten ab dem zweiten Semester. Neben Kontakten zu den an den Teilnehmern sehr interessierten Wirtschaftskanzleien wartet auf die Teilnehmer ein unvergessliches Teamerlebnis und eine Verlängerung des „Freiversuchs“ um ein Semester!


Einen Eindruck was auf Dich wartet kannst Du auf unserem Facebook-Account, auf Youtube und unserer Website gewinnen.


Solltest Du daher im Wintersemester 2015/2016 schon Jura studiert haben, so freuen wir uns sehr auf Deine Bewerbung! Allen Interessierten wird die Veranstaltung „Einführung in das Schiedsverfahrens- und UN-Kaufrecht“ nahe gelegt. Auch höhere Fachsemester sind selbstverständlich gerne gesehen! Nähere Informationen zur Bewerbung und zum Ablauf findest Du auf unserer Website.

Text: Philip-René Retzbach