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„Wir brauchen Juristinnen und Juristen mit Herz und Verstand, Empathie und Toleranz“

Examensfeier der Juristischen Fakultät am Ende des Wintersemesters 2015/16

Zusammen mit dem Landesjustizprüfungsamt Baden-Württemberg veranstaltete die Juristische Fakultät am 10. Februar ihre traditionelle Examensfeier. Neben der Übergabe der Examenszeugnisse an die Absolventen der Ersten Juristischen Staatsprüfung wurden auch die silbernen und goldenen Promotionsjubilare geehrt, die ihre Alma Mater mit ihrem Besuch beehrten.

Zum Auftakt der Feierlichkeit berührte das virtuos durch Vater und Tochter, Viola und Ulrich Brück von der Tübinger Musikschule, dargebotene Allegro Moderato aus dem Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll von Max Bruch auf Geige und Klavier die zahlreichen Teilnehmer. Im Anschluss hieran begrüßte der Dekan Prof. Dr. Christian Seiler alle im gut besetzten Festsaal der Neuen Aula Anwesenden, insbesondere die gerade Examinierten, die Promotionsjubilare und alle Verwandten und Freunde.

Seiler wies in seiner Ansprache auf die große Bedeutung einer inneren Verbundenheit zu seiner Fakultät hin; im weiteren Verlauf seiner Rede unterstrich er diese Aussage noch einmal bildlich mit den Worten „eine Weltreise ist viel schöner, wenn man ein Zuhause hat“. Er hoffe, dieses Gefühl durch die vielen positiven Veränderungen gerade im Bereich der Lehre an der Tübinger Fakultät in Zukunft sogar noch steigern zu können.

„Die Universität ist nicht ohne Grund eine Körperschaft, bei der man nicht 'Kunde' oder 'Nutzer', sondern Mitglied ist.“ - Seiler

Außerdem seien neben den Professorinnen und Professoren auch die Studierenden und Alumni, zu denen sich von diesem Tag an auch die Absolventen zählen dürften, ein wichtiger Bestandteil der Universitas. Seiler betonte außerdem, wie wichtig eine gute Reputation der Tübinger Absolventen auch für den Ruf der Fakultät sei.

Die Präsidentin des Landesjustizprüfungsamtes Baden-Württemberg, Christine Jacobi, sprach zu Beginn ihrer Rede den Absolventinnen und Absolventen der aktuellen Examenskampagne ihre Glückwünsche aus.

„[Wir benötigen] Juristinnen und Juristen mit Herz und Verstand, mit Empathie und Toleranz.“ - Jacobi

Vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlings-Thematik betonte Jacobi in Anlehnung an die irische Autorin Louise Richardson, wie wichtig es sei, den eigenen Prinzipien treu zu bleiben, da unseren Werten nur dann Strahl- und Überzeugungskraft zukomme. Dies sei gerade dann von enormer Bedeutung, wenn es darum gehe, die zu uns kommenden Menschen mit unseren Werten vertraut zu machen. Denn nur, wenn diese Grundwerte von allen eingehalten würden, sei ein friedliches Beisammensein möglich, nur dann könne auch ein Integrationsprozess gelingen. Hierfür benötige man nicht reine Rechtstechniker, sondern Juristinnen und Juristen mit Herz und Verstand, mit Empathie und Toleranz.

Zu unserem Wertesystem gehöre es aber auch, Feste zu feiern, wie sie fallen. So beglückwünschte Jacobi die frisch Examinierten zum erfolgreichen Bestehen der von manchen als schwierigste Abschlussprüfung überhaupt bezeichneten Juristischen Prüfung. Sie wies insbesondere auch darauf hin, das schon das Bestehen allein, ganz unabhängig von der erzielten Endnote, eine große Leistung sei.

In dieser Examenskampagne am besten lag den Kandidaten aus Tübingen die 4. Aufsichtsarbeit im Öffentlichen Recht. Die landesweit beste Notenstufe der aktuellen Kampagne war die Bewertung „gut“, wobei es in Tübingen gleich zwei Teilnehmern gelang, diese Notenstufe zu erzielen. Außerdem schafften es weitere 18 Teilnehmer aus Tübingen, die begehrte Bewertung „vollbefriedigend“ in ihrem Examen zu erreichen. Von den 18 ihr Examen wiederholenden Kandidaten schaffte es über die Hälfte, das Examen zu bestehen.

Den Festvortrag hielt Jun.-Prof. Dr. Tillmann Bartsch vom Tübinger Institut für Kriminologie zum Thema „Neue empirische Befunde zum Wohnungseinbruchdiebstahl“. Anknüpfend an eine kuriose Nachricht über einen mitteilsamen Einbrecher nahm Bartsch Bezug auf Statistiken des Bundeskriminalamtes, wonach die Wohnungseinbruchszahlen zwischen 2006 und 2014 stetig um jährlich fast 50.000 Wohnungseinbrüche angestiegen seien, was einem Anstieg von 43 % entspricht. Auch die Aufklärungsrate von Wohnungseinbrüchen liegt mit gerade mal 16 % weit hinter der Aufklärung anderer Straftaten zurück. Gleichzeitig sei jedoch festzustellen, dass die technischen Sicherungsmaßnahmen in Wohnungen zumindest teilweise Erfolge zeigten: so blieben mit 40 % nunmehr deutlich mehr Wohnungseinbrüche bereits im Versuch stecken.

„Einbrecher finden zwar heute insgesamt technisch besser gesicherte, aber dafür auch schlechter bewachte Häuser vor.“ - Bartsch

Bartsch berichtete außerdem über eine von ihm geleitete Studie des Kriminologischen Institutes Niedersachsen. Untersucht wurden hierbei nicht nur die Sachschäden, sondern auch die psychologischen Folgen für die Opfer. Insgesamt ließe sich festhalten, dass das Wohnungseinbruchdiebstahls-Delikt als solches in den letzten Jahren attraktiver geworden sei, was insbesondere auch an den leichter weiterverkäuflichen Gegenständen wie z.B. elektronischen Kleingeräten liege. Zum Abschluss beglückwünschte Bartsch noch alle Absolventinnen und Absolventen und wünschte ihnen alles Gute für deren weitere berufliche Laufbahn.

Auch die Studierendensprecherin Anna-Lena Gohl gratulierte allen Examinierten von ganzem Herzen. Sie wies darauf hin, was für eine große Leistung nicht nur das Staatsexamen selbst, sondern auch das Durchhaltevermögen eines jeden Teilnehmers auf dem Weg bis dorthin, auf dem man nicht nur einmal Disziplin und Durchhaltevermögen beweisen muss, darstelle.

„Scheinfrei – Zum Schein Frei.“ - Gohl

Das allgemein verbreitete Vorurteil gegenüber Jurastudenten, sie seien Einzelkämpfer und würden sich nichts gönnen, stimme nicht, so Gohl. Zum einen sprach sie im Namen der Studierenden auch den Professorinnen und Professoren allergrößten Dank für deren hervorragende Lehre aus. Zum anderen benötige man, um das Jurastudium und den Alltag an der Universität zu meistern, aber nicht nur hilfsbereite Kommilitoninnen und Kommilitonen, sondern auch wahre Freunde – und beides finde man an der Tübinger Fakultät. Mit den Worten von Thomas Carlyle - „Arbeite und lerne, und du kannst gar nicht verhindern, dass du etwas wirst“ - wünschte sie den Absolventinnen und Absolventen auch für die Zukunft Fleiß, Durchhaltevermögen und viel Erfolg.

Es folgte die Ehrung der Promotionsjubilare durch den Dekan, zunächst die Silbernen zum 25. und anschließend die goldenen zum 50 Jubiläum ihrer erfolgreichen Doktorprüfung. Hieran schloss sich die Übergabe der Urkunden an die Absolventinnen und Absolventen der vergangenen Kampagne des Ersten Juristischen Staatsexamens durch Seiler und Jacobi an.

Nach dem Ende der Veranstaltung im Festsaal fand in der Wandelhalle der Neuen Aula ein kleiner Empfang statt und der danach stattfindende Examensball im Restaurant Museum am oberen Ende der Wilhelmstraße verlieh den Feierlichkeiten einen würdigen Abschluss.

 

Fotos: Hoffmann Fotografie / Text: Pierre Bounin