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Juristische Gesellschaft Tübingen e.V.

Das CHE-Ranking - Ein Interview mit dem Studierendensprecher Jonathan Kamzelak

Redaktion: Aus welchem Grund hast du dich für ein Jurastudium an unserer Juristischen Fakultät in Tübingen entschieden?

    Kamzelak: Ich war damals beim Studieninfotag in Tübingen und habe mich ins Juristische Seminar verirrt. Da stand ich dann und habe die ganzen Leute arbeiten sehen und war total beeindruckt. Mir hat einfach die Atmosphäre gefallen. Schon an dem Tag habe ich entschieden, dass ich nach Tü- bingen möchte. Ich glaube daher, dass der Studieninfotag und der Law Day wirklich wichtig sind! Tübingen ist zwar klein, aber es gibt trotzdem jede Menge Angebote. Man merkt, dass fast alles auf Studierende zugeschnitten ist.

    Redaktion: Die Juristische Fakultät der Universität Tübingen landete mit einer Gesamtbewertung von 2,6 auf einem der hinteren Ränge im Rahmen des diesjährigen CHE-Rankings. Allerdings ist einzuwenden, dass lediglich 286 von 1147 angefragten Studierenden an diesem Ranking teilgenommen haben, d.h. rund 10 % der Tübinger Rechtsstudenten. Erscheint dir das Ergebnis der Umfrage dennoch unter Betrachtung der momentanen Gesamtsituation als zutreffend?

    Kamzelak: Es ist natürlich sehr schwierig, das in ein paar Sätzen zu beantworten, aber ich glaube nicht, dass Tübingen tatsächlich so schlecht ist, wie das Ranking nahelegt. Einige Kriterien des Rankings sind aus meiner Sicht auch ungeeignet, um die Qualität eines Juristischen Studiums zu bewerten. Den Aspekt „Möglichkeit der individuellen fachlichen Schwerpunktsetzung/Freiheiten bei der Modulwahl“ kann ein Jurastudium abgesehen vom Schwerpunkt nicht leisten – das ist der Preis der Ausbildung zum Volljuristen. Man sollte das Ergebnis des Rankings aber nicht nur mit solchen Einwänden wegdiskutieren, denn auch, wenn nur 10 % der Studierenden die Situation als so schlecht empfinden, finde ich das zu viel. Bei dem Ranking muss man sich aber einzelne Punkte schon genauer anschauen. Besonders schlecht wurde beispielsweise die Betreuung an der Fakultät bewertet, insbesondere die Hilfestellung bei Seminar- und Hausarbeiten. Das trifft natürlich die Lehrenden genauso wie uns Fachschaften, die wir ja auch verschiedene Angebote, wie zum Beispiel das Hausarbeitentutorium, haben. Andererseits gibt es mit der Klausurenklinik, Verbesserungen beim Uniexaminatorium und dem Klausurenkurs viele neue Angebote, die sich so noch nicht in dem Ranking wiederfinden. Schade ist natürlich, wenn Kritik nur im Rahmen eines solchen Rankings oder erst nach dem Examen geübt wird. Um Probleme anzusprechen und Lösungsvorschläge gegenüber der Professorenschaft zu vertreten, sind wir gewählt. Daher möchte ich jeden, der Verbesserungsbedarf sieht auffordern, uns das zu sagen. Ich glaube es ist wichtig, Problemfelder und Kritik zu analysieren und nach Lösungen zu suchen, aber anders als das Ranking nahelegt, hat Tübingen viel zu bieten.

    Redaktion: Inzwischen sind Sie schon im 4. Fachsemester. Angenommen, eine Ihnen nahestehende Person würde Sie um Rat fragen bezüglich eines möglichen Studienbeginns an der Juristischen Fakultät in Tübingen. Was würdest du dieser Person raten?

    Kamzelak: Ich würde zuerst einmal dazu raten, sich so schnell wie möglich um eine Wohnung zu kümmern, das ist für den Anfang vielleicht das größte Problem. Ich würde wohl auch dazu raten, zum Wintersemester anzufangen, wenn das nicht heißt, einfach ein halbes Jahr rumzusitzen. Als Studienanfänger im Sommersemester hat man, finde ich, eher das Gefühl, einfach so mitzulaufen, weil ja der ganze Unibetrieb bis auf wenige Ausnahmen auf den Studienbeginn zum Wintersemester ausgelegt ist. Außerdem finde ich den Studienplan für den Beginn zum Sommersemester immer noch nicht ideal, obwohl wir da im vergangenen Semester schon ein paar Verbesserungen umsetzen konnten. Ich würde dieser Person auch raten, sich mit den vielen Angeboten der Universität, der Fakultät und der Studierenden auseinanderzusetzen, um auch mal den Blick über den Tellerrand zu werfen, sei es eine Teilnahme am Zertifikatsstudium „Recht – Ethik – Wirtschaft“, das studium generale oder ein Engagement bei den Fachschaften.

    Redaktion: Während die Bibliothek (1,7) in der Spitzengruppe und die IT-Ausstattung in Tübingen noch in der Mittelgruppe (2,1) rangieren, können wir zum Beispiel hinsichtlich der Betreuung leider nicht punkten. Welche Verbesserungsmöglichkeiten siehst du als Studierendensprecher?

    Kamzelak: Wenn ich mir unabhängig von zur Verfügung stehenden Geldmitteln und Kapazitäten an Lehrenden und Räumen Dinge wünschen könnte, dann wäre das sicherlich, dass die Studienpläne von Winter- und Sommersemester komplett angeglichen werden würden. Außerdem fände ich ein Tutorium zu den Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens am Anfang des Studiums sinnvoll, etwa in Form einer vierten Fallbesprechung. Ich glaube, das würde einigen den Zugang zum Studium und auch das Bearbeiten der ersten Klausuren und Hausarbeiten erleichtern. Außerdem sehe ich große Verbesserungsmöglichkeiten bei den Korrekturen von Klausuren und Hausarbeiten. Leider ist es dort nach wie vor so, dass es teilweise sehr gute und ausführliche Rückmeldungen gibt, aber auch die Variante mit einer Korrekturanmerkung und zwei Sätzen am Ende. Damit kann niemand etwas anfangen. Das Schöne ist, dass sich gerade in dem Bereich schon etwas getan hat. Wie sich eine Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten umsetzen lassen könnte, diskutieren wir gerade in der Fachschaft und werden unsere Ergebnisse dann auch in die Gremien tragen. Für Anregungen und Hinweise, wo Problemfelder gesehen werden und wie wir diese lösen können, sind wir natürlich immer dankbar.

    Redaktion: Und jetzt noch eine abschließende Frage abseits harter Fakten: Was ist für dich „typisch Tübingen“?

    Kamzelak: Das wäre wohl, dass man nirgendwo hinlaufen kann, ohne jemanden zu treffen, den man kennt.