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Institut für Kriminologie

Forschungsprojekt

 

Sexualstraftäterinnen – eine empirische Analyse von sexuellen Missbrauchs- und Gewaltdelikten

 

Sexualstraftäterinnen stellen ein seltenes Phänomen sowohl im Denken der Bevölkerung als auch in den Kriminalstatistiken dar.

Zum einen haftet diesem Bereich ein gesellschaftliches Tabu an. Zum anderen sind Täterinnen in den Köpfen vieler nicht vorhanden und werden dadurch auch nicht wahrgenommen. Dass Frauen Sexualdelikte begehen, scheint fast unmöglich zu sein. Das Alltagsdenken prägt sich durch die Vorstellung der Frau als fürsorgliche Mutter, meist Opfer, die nicht in der Lage sei, strafbare sexuelle Handlungen vorzunehmen, oder eben von Männern dazu gezwungen wird.

Auch in den Kriminalstatistiken stellt dieser Bereich nur ein zahlenmäßig unbedeutendes Randphänomen dar. Danach werden Sexualdelikte großteils von Männern verübt. Denn der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen belief sich nach der Polizeilichen Kriminalstatistik bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Jahr 2016 auf lediglich 6,0% (n=2.011).

Nach der Strafverfolgungsstatistik machte die Zahl der weiblichen Abgeurteilten im Jahr 2011 nur 4,1 Prozent bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung aus. Das gleiche Bild ergab sich bereits in den vergangenen Jahren.

Damit vermitteln die Zahlen des Hellfeldes den Anschein, dass Frauen kaum derartige Straftaten begehen.

Über das Dunkelfeld gibt es sehr unterschiedliche Zahlen. So weisen die Untersuchungen von Kloiber (1994) einen Täterinnenanteil bei sexuellen Handlungen an Jungen in Höhe von 56,7 Prozent, bei Raupp/Eggers (1993) hingegen 25 Prozent auf. In einer Befragung von Bange (1996) in Homburg lag der Anteil der Studentinnen, die durch eine Frau sexuell missbraucht wurden, bei 6 Prozent. Die sexuell missbrauchten Männer wiesen dagegen einen Täterinnenanteil von 28 Prozent auf.

Somit handelt es sich bei Sexualstraftäterinnen um ein Phänomen, welches in den Statistiken nicht auftaucht, aber trotzdem existiert.

Ziel meiner Dissertation ist es nun, eine empirische Bestandsaufnahme von Sexualstraftäterinnen vorzunehmen. Dabei soll folgenden Fragen nachgegangen werden: Wodurch zeichnen sich die Täterinnen und der Tatverlauf aus? Wie werden diese durch die Justiz behandelt? Was unterscheidet diese Täterinnen von anderen Straftäterinnen und männlichen Sexualdelinquenten? Gibt es besondere Charakteristika? Lassen sich Typologien zu Täterinnen und Opfern bilden?

Der Forschungsgegenstand wird auf die sexuellen Missbrauchs- und Gewaltdelikte des 13. Abschnitts des StGB´s beschränkt. Die Datenerhebung soll dann im Rahmen einer Aktenanalyse in den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern für den Zeitraum 2003-2012 erfolgen.