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Institut für Kriminologie

Unterschiedliche Milieus von Migranten im internationalen Vergleich

Studie zu den Wertewelten von Deutschen, Deutsch-Türken und Türken

 

Die Meinungsforschungsinstitute INFO GmbH und Liljeberg Research haben erstmals im Jahr 2008 eine internationale Vergleichsstudie zum Thema deutsch-türkische Wertewelten durchgeführt. In Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Liljeberg wurde dem Institut für Kriminologie dieser Datensatz zur vertiefenden wissenschaftlichen Analyse zur Verfügung gestellt. Im Rahmen dieser Studie wurden insgesamt 1000 Befragte zu ihren Werten, allgemeinen Lebensorientirrungen, Religiosität und ausgewählten Aspekten des Konsums Verhaltens befragt. Befragt wurden Deutsche, Deutsch-Türken (in Deutschland mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit) und Türken in der Türkei.

Ziel der Sekundärdatenanalyse des Institutes für Kriminologie ist es, das vorhandene Datenmaterial einer eingehenden Milieuanalyse für weitergehende Fragestellungen die kriminologisch relevant erscheinen, zuzuführen. Von besonderem Interesse ist die Einbindung individueller Lebensorientierungen und tagtäglicher Lebensgestaltungen vor dem jeweiligen kulturellen und nationalen Hintergrund der Befragten im internationalen Vergleich.

Analysen und Ergebnisse:

Aus bi- und multivariaten Analysen konnte ein Pfadmodell abgeleitet werden, dass Beziehungen zwischen dem Migrationshintergrund, traditionellen Werten (Wichtigkeit von Religion in täglichen Leben, der Stellenwert der Herkunftsheimat), Aspekten zur Liberalität, die Bedeutung traditioneller Männlichkeit und Vorstellungen von Ehre (die es im Notfall mit Gewalt zu verteidigen gilt) unterstellt. Entsprechend der Arbeitshypothese ist die traditionelle Männlichkeit die zentral intervenierende Variable im Modell. Darüber hinaus bestehen zwischen allen übrigen aufgenommenen Merkmalen jeweils komplexe Kausalbeziehungen. Die Stärke der Effekte zwischen den einzelnen Merkmalen wird durch eine Pfadanalyse über die standardisierten Koeffizienzen geschätzt.

Als Ergebnis bleibt festzuhalten:

In der Gesamtschau beeinflusst der Migrationshintergrund das gesamt Modell über die traditionelle Männlichkeit. Die beiden im Modell aufgenommenen individuellen Wertorientierungen „Gottglaube“ und „Heimat“ lassen sich im Kern auf die traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit und damit auf den Migrationshintergrund zurückführen. Je stärker Vorstellungen von Männlichkeit bei den Befragen ausgeprägt sind (Hausarbeit und Kinder sind Aufgabe der Frau, Jungfräulichkeit ist eine Voraussetzung der Ehe, die Frau daf nicht berufstätig sein, der Mann ist alleiniger Familienernährer), umso wichtiger ist der Glaube an einen Gott und umso wichtiger wird die Bedeutung der Herkunftsheimat. Interessant ist auch der Befund, welche Konsequenzen unter Umständen die Verletzung von Männlichkeit hat: je stärker eine traditionelle Männlichkeit ausgeprägt ist, umso wahrscheinlicher wird eine Gewaltreaktion auf eine Ehrverletzung (Beleidigung von Religion und Herkunftsheimat). Diese Effekte werden zusätzlich untermauert vom jeweiligen Grad der Migration/Integration: bei Deutschen besteht ein negativer Effekt (kein Zusammenhang), bei Deutsch-Türken ein mittlerer Effekt und bei Türken ein starker Effekt (starker Zusammenhang).

 


Forschergruppe

Prof. Dr. Hans-Jürgen Kerner
Tel. 07071-29 72931
E-Mail: hans-juergen.kerner@uni-tuebingen.de
Dr. Holger Stroezel
Tel. 07071-29 72026
E-Mail: holger.stroezel@uni-tuebingen.de
Dr. Melanie Wegel
Tel. 07071-29 72026
E-Mail: melanie.wegel@uni-tuebingen.de