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Forum Junge Rechtswissenschaft

Naturalerfüllung im Zeitalter der Industrialisierung

 

Ass. Prof. Dr. Janwillem Oosterhuis
Universität Maastricht

Dienstag, 29.4.2014
18 Uhr s.t.
Raum 235, Neue Aula

 

Lebenslauf

Janwillem (Pim) Oosterhuis (Groningen, 1976) studierte Rechtswissenschaft an der Erasmus Universität, Rotterdam. In 2000 schloss er einen Magister in Law and Economics (European Master in Law and Economics) ab (Universitäten Rotterdam und Hamburg). Nach Abschluss seiner Studien in 2001, hat er seine dreijährige Anwaltsausbildung in einer Amsterdamer Kanzlei gemacht. Von 2004 bis 2009 war er Doktorand und Dozent an der VU Universität Amsterdam. In 2006 war er ein halbes Jahr fellow des Forschungskollegs am Internationalen Max-Planck Institut für vergleichende Rechtsgeschichte und der Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Im April 2011 schloss er seine Promotion an der VU Universität Amsterdam mit einer Arbeit zum Thema Specific Performance in German, French and Dutch Law in the Nineteenth Century (gemeinschaftliche Betreuung von Prof. Dr. Jan Hallebeek und Prof. Dr. Boudewijn Sirks) ab. Seit August 2009 ist er Assistenzprofessor an der Universität Maastricht.

 

Abstract

Am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts kannten inter alia das Französische, Holländische und Preußische Recht Naturalerfüllung als primäres Rechtsmittel bei Nichterfüllung einer Verbindlichkeit. Diese Priorität von Naturalerfüllung als Rechtsmittel war weitreichend, auch in der gerichtlichen Praxis dieser Zeit: in Preußen, zum Beispiel, sollte eine Verlobte von ihrer unwilligen Gegenpartei die tatsächliche Erfüllung des Eheversprechens einfordern, auch wenn keine der Parteien mehr an der Ehe festhielt. In Frankreich konnte eine Frau, die ihren Mann verlassen hatte, von ihrem Ehemann manu militari gezwungen werden in die eheliche Wohnung zurück zu kehren. Auch in den Niederlanden musste ein Käufer die tatsächliche Erfüllung fordern, auch wenn der Verkäufer zunächst nicht rechtzeitig geliefert hatte und der Käufer vornehmlich an Schadensersatz interessiert war. Nach gut einem halben Jahrhundert hat sich dieses Bild tiefgreifend geändert. Naturalerfüllung ist noch immer das primäre Rechtsmittel im Französischen, Niederländischen und Deutschen Rechtssystem, jedoch hauptsächlich in den Gesetzbüchern und der Dogmatik. In der gerichtlichen Praxis stellt sich heraus, dass einige Vereinbarungen überhaupt nicht mehr zu Rechtsverpflichtungen führen, wie das Eheversprechen. Verpflichtungen zu einem höchstpersönlichen Handeln, wie das eheliche Zusammenwohnen, werden fast ausnahmslos nur indirekt erzwungen. Ebenso entfällt bei der nicht rechtzeitigen Lieferung im Grunde das Recht des Käufers auf Naturalerfüllung. Das Recht auf Schadensersatz ist nun vorrangig. Wie und warum diese Änderungen stattgefunden haben ist das Hauptthema dieses Vortrags.