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Forum Junge Rechtswissenschaft

Volker Mergenthaler

Prof. Dr. Volker Mergenthaler, Germanistik und Kulturwissenschaften, Philipps-Universität Marburg

Verhandlung im Film. Rolf Hädrichs "Mord in Frankfurt"

Montag, 17.1.2011

18 hst

Raum 236 (Neue Aula)



Bio

Volker Mergenthaler ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Marburg. Er studierte von 1990 bis 1996 Neuere deutsche Literatur, Politikwissenschaft, allgemeine Rhetorik, Philosophie und Romanistik an der Universität Tübingen. 1997 bis 1999 war er Mitglied des DFG-Graduiertenkollegs "Pragmatisierung/Entpragmatisierung". 1999 wurde er in Tübingen im Fach Neuere deutsche Literaturwissenschaft promoviert mit einer Arbeit über das Zusammenspiel von Wahrnehmungsdiskurs und Literatur. 2004 habilitierte er sich ebenfalls in Tübingen mit einer Arbeit über die Ästhetik der Transgression. 2007 war er Professeur invité an der Université de Provence. Im selben Jahr erfolgte der Ruf an die Universität Marburg auf den Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur. Im Zentrum seiner Arbeit stehen Literatur, Kultur und Medien vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Neben den Laufbahnschriften liegen Bücher vor zur Kriegsprosa Ernst Jüngers, zum Enthauptungsmotiv in Literatur und Mythos, zu Joseph von Eichendorff und zum Spionagefilm. Gegenwärtig befaßt er sich mit der Zeitschriftenkultur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, mit der Relation von Literatur und Trauer sowie mit literarischen Aneignungen der Terroranschläge vom 11. September 2001.

Abstract

Der Vortrag wird sich mit "Mord in Frankfurt" beschäftigen, einem mehrfach prämierten, 77minütigen Fernsehfilm, der unter der Regie von Rolf Hädrich entstanden und 1968 erstmals im WDR ausgestrahlt worden ist. Im Mittelpunkt des Films steht Andrej Markowski, ein im Rahmen der Frankfurter Auschwitzprozesse als Zeuge vor das Frankfurter Schwurgericht geladenes NS-Opfer. Hädrichs Film beginnt mit der Ankunft des Zeugen in Frankfurt und endet mit seiner Abfahrt. Sein Erscheinen vor Gericht und seine Aussage bilden den dramaturgischen Höhepunkt des Films, dessen komplexer Gehalt sich allerdings erst dann erschließen läßt, wenn man ihn mit einer ganzen Reihe weiterer Motive und Handlungsstränge verrechnet, mit Theaterstücken von Peter Weiss (Die Ermittlung) und Joe Orton (Entertaining Mr. Sloane), mit der Architektursprache der Mainmetropole der 60er Jahre und nicht zuletzt mit den sogenannten Taximorden, die zu dieser Zeit mehrfach verübt worden sind und die Öffentlichkeit beschäftigt haben. Im Schnittfeld dieser scheinbar unvermittelten Komponenten entsteht ein subtiler Kommentar zu den 1963 begonnenen Frankfurter Auschwitzprozessen und - weiter gefaßt - zur bundesdeutschen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit. Der Vortragstitel "Verhandlung im Film" zielt nicht nur auf die simple Darstellung einer Gerichtsverhandlung, sondern auch auf ihre "Verhandlung" im Medium Film, auf die Möglichkeiten ihrer kritischen Durchdringung mit den Mitteln der Kunst.